Periode und Sport – Teil 2

Periode und Sport – nicht immer ein einfaches Thema für Athletinnen

Susanne Buckenlei, ehemalige Profitriathletin und heute Coach unter aderem von vielen Triathletinnen, weiß aus eigener Erfahrung, wie es bei Problemen während der Monatsblutung ist, Sport zu treiben.

Einmal im Monat wiederholt sich für viele Frauen ein Martyrium: Schmerzen durch die sich ankündigende monatliche Regelblutung (PMS = Prämenstruelles Syndrom) und Probleme während der Blutungszeit (Dysmenorrhö), die individuell sehr unterschiedlich ausfallen können.

Schuld haben die Hormone

Grund dafür sind Hormone (Prostaglandine), die das Zusammenziehen der Gebärmutter bei der Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut auslösen und die Schmerzempfindlichkeit erhöhen. Die muskulären Vorgänge und eine verminderte Durchblutung können auch zu statischen Veränderungen im unteren Rücken sowie zu Schmerzen im Becken- und Lendenbereich führen. Die Tage vor der Periode sind häufig gekennzeichnet durch Müdigkeit, Unterleibs- und Rückenschmerzen sowie Stimmungsschwankungen. Hinzu kommen schmerzende Brüste, Wasseransammlungen und einhergehende Gewichtszunahme und Verdauungsprobleme. Generell keine einfache Zeit. Fällt der Saisonhöhepunkt genau in diese Zeit, sind das nicht gerade gute Voraussetzungen für ein perfektes Rennen.

Besserung mit der Blutung

Die Symptome des PMS sollten im Normfall nach dem Einsetzen der Regel verschwinden, jedoch kommt es bei vielen – vor allem jungen und sehr dünnen Frauen – auch während der Periode zu den eingangs beschriebenen Problemen. Das tägliche Training oder ein Wettkampf werden nicht selten zu einer nahezu unmöglichen Herausforderung. Viele Frauen beschreiben auch kurz vor und während der Periode das Gefühl, nicht mehr „gerade“ zu sein und anders auf ihrem Fahrrad als gewohnt zu sitzen. Diese veränderte Statik ist ein zusätzliches Problem, denn der Körper, Muskel- und Knochenapparat, der Athletin wird in seiner gewohnten Ausrichtung gestört. Blockierte Wirbel, schmerzende Muskeln und veränderte Bewegungsmuster führen gerade bei längeren Distanzen zu massiven Beeinträchtigungen. Hinzu kommt, dass Stress und mentale Belastungen all diese Symptome verschlimmern können.

Was kann man tun?

Im Training und Wettkampf können Wärmepflaster oder starke Wärmecremes einen großen Dienst leisten. Sich dabei zusätzlich zu entspannen und sich auf etwas anderes zu konzentrieren, hilft immer, dazu den Muskeltonus zu senken, und schon reduzieren sich die statischen Veränderungen, was den Schmerz lindert. Allerdings ist dies leichter gesagt als getan, insbesondere im Wettkampf. Im Alltag helfen warme Bäder, Wärmflaschen sowie Fango- und Saunabäder. Auch leichte Bewegung, Meditation und Stretching lösen Verspannungen und somit auch die Schmerzen.

Hilfe von innen

Während die einen auf Tees und magenberuhigende Substanzen schwören, greifen besonders stark betroffene Frauen häufig zu Schmerzmitteln auf Basis von Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen. Um die Entspannung über Nacht zu sichern, kann die Einnahme von Schmerzmitteln tatsächlich ratsam sein. Allerdings sollte man diese Lösung nicht als mögliche Option vor intensiven Trainingseinheiten oder Wettkämpfen sehen: Schmerzmittel setzen das gesamte Schmerzempfinden eines Menschen herab! Dadurch man verliert man bei hoher Belastung die Sensibilität für körperliche Grenzen. Kurzum: Schmerzmittel haben im aktiven Sport nichts verloren. Sind die Schmerzen jedoch zu groß, ist es ein deutliches Warnsignal des Körpers, dass er für Höchstleistungen nicht bereit ist.

Auch Kontrazeptiva –  hormonelle Verhütungsmittel – können Regelschmerzen lindern. Dabei steigt der Progesteronspiegel im Körper, und die Blutung fällt schwächer aus. Hormonelle Verhütungsmittel bieten der Sportlerin die Möglichkeit, durch eine geplante Einnahme den Zyklus zu steuern. Diese Methode kann aber zu enormen Störungen des weiblichen Zyklus führen, vor allem wenn sie häufiger angewendet wird. Auch die Methode der durchgängigen Einnahme der Pille zur Verhinderung des Zyklus ist bekannt. Aber auch dabei wird der natürliche Rhythmus gestört, und das kann langfristig zu bleibenden Schäden und späteren Problemen beim Thema Kinderwunsch führen. Ich selbst habe diese Methode vor Jahren getestet, danach hat es Monate gedauert, bis der Zyklus wieder einen normalen Verlauf hatte.

Schmerzmittel sind keine Option

2015 musste ich zum ersten Mal selbst erleben, dass die massiven Probleme während meiner Tage tatsächlich das Finishen einer Langdistanz unmöglich machen können. Der Wettkampf fiel genau auf diesen einen Tag, an dem die Probleme besonders massiv sind, aber ein „Verschieben“ der Periode oder die Einnahme von Schmerzmitteln waren für mich keine Option. Ein Wärmepflaster am Tag vorher und auch während des Rennens hatte zwar zu einer Linderung der Symptome geführt, aber nach einer Renndauer von rund fünf Stunden waren meine Beine auf dem Rad nur noch schwer ansteuerbar und die Schmerzen unerträglich. Die Natur des Körpers spielt bei der Wettkampfplanung eben nicht immer zu 100 Prozent mit. Die eigene Gesundheit sollte immer Vorrang haben und im Vordergrund stehen. Kein Rennen auf der Welt ist es wert, die möglichen Folgen in Kauf zu nehmen!

 

Susanne Buckenlei studierte Diplom-Sportwissenschaften in München mit Schwerpunkt Leistungssport in Bezug auf Triathlon. Gemeinsam mit Matthias Frisch gründete die dreifache Norseman-Extreme-Siegerin (2009‒2011) das Professional Endurance Team.

 

Foto: fotolia/bdstudio

 

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