Tour de Friends: von München nach Jesolo

tritime women team beim Rad Race

Rauf aufs Rad und ab über die Alpen. Wir waren bei der Premiere des Rad Race von München nach Jesolo dabei. Rund 560 km und jede Menge Spaß liegen hinter uns.

Nachdem Luisa im vergangenen Jahr bei der Tour Transalp auf den Geschmack von Rennrad-Etappenrennen gekommen ist, sollte es dieses Jahr unbedingt wieder ein solches Event in ihrem Sportkalender geben. Nach kurzer Suche war klar, es sollte das Rad Race werden.

Rad Race – stop Racism start Raceism

Unter diesem Motto erfüllen sich zwölf Freunde, die leidenschaftliche Biker sind, ihren Traum. Eine eigene Event-Serie und ein eigener Online-Shop mit Radbekleidung gehören zum Label von Rad Race. Neben einigen Fixed- und Sprint-Rennen hat das Team vor Monaten begonnen, ein Etappenrennen zu planen. Die Premiere fand Mitte September statt – 400 leidenschaftliche Radfahrer überquerten vier Tage lang die Alpen von München nach Jesolo. Das tritime women team mit Meike, Jennifer und mir war auch dabei und war ready to rumble …

Facts zum Event

Jeder kann mitmachen. Alleine oder im Team. Ein Team besteht aus mindestens drei Fahrern. Nach oben gibt es keine Grenze. Das größte Team war mit 17 Teammitgliedern unterwegs. Man darf außer mit E-Bikes mit jedem Rad teilnehmen. Daher waren nicht nur Rennräder unterwegs, sondern auch Mountainbikes, Crosser, Fixies und Handbiker. Die Teams starten gemeinsam im 60-Sekunden-Takt. Zu gewinnen gibt es nur Ruhm und Ehre. Auf drei Etappen gab es drei Bergsegmente, auf denen man Sachpreise ergattern konnte.

Das ganze Event kostet pro Person 589 Euro. Inklusive waren ein Starterkit, Gepäcktransport, Verpflegungsstationen auf der Strecke, vier Übernachtungsunterkünfte mit Frühstück, gemeinsames Abendessen an den Zielorten, eine Finalparty und Rücktransport nach München mit Bussen.
Für die Navigation während der Tour war jeder selber verantwortlich. Die Orga stellte die GPX-Tracks im Vorfeld zur Verfügung. Die Straßen waren außer in einigen Ortschaften in Italien nicht gesperrt.

Die Tour de Friends im Überblick:

  1. Etappe: München – Innsbruck, 145 Kilometer mit 900 Höhenmeter
  2. Etappe: Innsbruck – Brixen, 93 Kilometer mit 1.300 Höhenmeter
  3. Etappe: Brixen – Vittorio Veneto, 193 Kilometer mit 1.800 Höhenmeter
  4. Etappe: Vittorio Veneto – Jesolo Veneziane, 127 Kilometer mit 300 Höhenmeter

Das ist wohl so ziemlich die einfachste Route, die Alpen zu überqueren, dennoch auf jeden Fall eine wunderschöne Strecke.

Wie es uns während der Tour de Friends erging

Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete. Meine ließ allerdings etwas zu wünschen übrig. Kein Training, kein ordentliches Material. Nach meinem Ironman in Klagenfurt bin ich genau sechs Mal auf dem Mountainbike gesessen und deswegen hatte ich ein bißchen die Hosen voll, vor der Strecke und dem Wissen, mit Jenni eine richtige Radrakete im Team zu haben. Doch die Tour de Friends ist mehr als nur ein Rennen, in dem es ums Gewinnen geht. Gemeinsam kämpften wir uns über die Berge, gemeinsam froren wir uns bei fünf Grad im Regen den hintern weg, freuten uns über jeden Sonnenstrahl, lernten super coole Menschen kennen und waren begeistert von der Orga, die die Crew auf die Beine stellt und der Gastfreundlichkeit der Menschen der Kommunen, die wir auf unserer Reise passierten.

Wetterprognose: viel Regen und Kälte

Im Vorfeld beobachte ich das Wetter jedes einzelnen Etappenortes, weil ich wegen der üblen Wetterprognosen schon etwas panisch war. Egal, welchen Wetterdienst ich checkte, überall wurde Regen und Kälte angesagt. Das gefiel mir als bekennende Schön-Wetter-Fahrerin überhaupt nicht.

In einem Anflug von Panik habe ich noch kurz vor knapp über Facebook einen Leihaufruf für  Regenklamotten gestartet. Glücklicherweise war Gore Bike Wear als Sponsor beim Event dabei und bot an, Regenjacken während der Tour an die Teilnehmer zu verleihen. Somit war es mir möglich, die neue One Power Lady Gore-Tex Bike Jacke und eine Regenhose zu testen. Der Testbericht hierzu folgt in Kürze. Das war ein feines Angebot und ich musste mir keine Sorgen mehr machen, wie ich den Regen überleben sollte.

Etappe 1: München – Innsbruck

Statt Regen gab es strahlender Sonnenschein. YES!

Die Etappe verlief über Radwege, teilweise mit Gravel-Passagen und auf überwiegend wenig befahrene Straßen. Das mit den Schotterwegen war neu für mich und mein Rennrad. Aber bei meinem alten Hobel kann eh nicht mehr viel kaputt gehen. Daher lautete mein Motto: Augen zu und durch!

Kurz vor Hungerast kramte ich einen Riegel aus meiner Trikottasche, da kam aus dem Nichts plötzlich die orangene Strava-Flagge, die das Berg-Segment ankündigte. Shit. Ich hatte die Wahl: auf die Bergwertung verzichten und den Riegel weiter essen oder den Riegel wegschmeißen. Ich habe mich für mein Mittagessen entschieden. Jennifer dampft mit einem Affenzahn davon und ich staune nur noch, was für einen  Druck sie auf die Pedale brachte!

Wir lassen es krachen, da für den Nachmittag Regen angekündigt ist. Nach 145 Kilometern, vorbei am Tegernsee mit Pause am Achensee, kommen wir trocken in Innsbruck an. Leider schaffen das an diesem Tag nicht alle Teams ohne Regen ins Ziel.

Nach dem Abendessen ist das Bergpanorama um uns herum schneebedeckt und es hat ziemlich abgekühlt.

Etappe 2: Innsbruck – Brixen

Wir rollen mit unseren Rucksäcken auf dem Rücken von der Jugendherberge in die Altstadt. Das Prozedere am Morgen ist sehr entspannt. Direkt im Start-Areal stehen Transporter, die unser Gepäck in den nächsten Etappenort bringen. Alles ist perfekt organisiert und wir müssen nicht frieren, obwohl es morgens schon recht frisch ist. Die Jungs vom Gepäcktransport waren  jeden Tag spitze gelaunt und wir haben uns immer über die Hilfe gefreut! Danke Jungs, ihr wart super.

Die Strecke führt uns direkt durch Innsbruck. Dieses Mal startete das Berg-Segment direkt nach zwei Kilometern nach einer kurzen Treppenpassage. Auf den Stufen treffen wir zum ersten mal Josef. Josef sitzt seit einem Unfall im Rollstuhl und fährt begleitet von seinem Sohn und einem Freund die ganze Strecke mit dem Handbike. Dieser Kerl ist so verdammt cool! Ich ziehe meinen Hut vor dieser wahnsinnigen Leistung. Wenn ich mir überlege, ich sollte die Berge mit meiner Armkraft überwinden, ist das unvorstellbar. Als ich Josef im Ziel frage, wie er die Tour überstanden hat, meinte er grinsend: „Die Beine fühlen sich noch ganz gut an!“

Natürlich waren schon genügend Helfer da, die Josef mit den Treppen halfen, sodass es für uns direkt in den ersten Anstieg zum Brenner ging.
Kaltstart. Nicht unbedingt mein Ding, aber immerhin hatte ich heute einen vollen Magen und gab mein Bestes, was mir den Tagessieg “Queen of Mountain” einbrachte.  Zudem durfte ich mich über ein neues Radkit von Canyon freuen.

Auch an diesem Tag war das Wetter besser, als erwartet, sodass wir das Berpanorama bis nach Brixen in vollen Zügen genießen konnten. Wenn Engel reisen …

Nach den ersten zwei traumhaften Tagen begann es abends in Brixen wie aus Eimern zu schütten. Wir sind zwar nicht aus Zucker, aber sicherheitshalber shoppten wir noch noch drei Ass-Saver im Radladen für den nächsten Tag und schlappten ins Priesterseminar, in dem wir übernachten. Während wir immer recht einfache aber gute Unterkünfte hatte, durften andere Teams in noblen Hotels mit Pool und Sauna nächtigen. Wir verbuchten diese Tatsache augenzwinkernd als Losglück für die anderen.

Etappe 3: Brixen – Vittorio Veneto

“Endlich” war er da, der strömende Regen und meine neuen Gore Klamotten kamen auf der Königsetappe mit 193 Kilometer zum Einsatz. Am ersten Checkpoint hatte es gerade einmal fünf Grad und es schüttete. An der Verpflegungsstation gab es warmen Tee, der unfassbar gut tat. Wir gönnten uns allerdings nur eine kurze Pause, damit wir nicht komplett auskühlten. Ohne die guten Regensachen wäre ich an diesem Tag vermutlich erforen. Meine hauchdünne Gore-Jacke hielt mich nicht nur komplett trocken,sondern auch schön warm.

Beim zweiten Checkpoint schien endlich wieder die Sonne, es wurde angenehm warm. Dafür begann nun unsere Pannenserie. Ein defekter Mantel bei Jennifer sorgte für zwei Platten hintereinander. Ich radelte mit ihrem Laufrad zum Checkpoint zurück. Dort rettet uns ein DT Swiss-Schrauber mit einem neuen Mantel. Er gab mir zusätzlich noch einen neuen Schlauch mit. Ich wollte ihn gar nicht einstecken, weil wir noch genug Ersatz dabei hatten, aber er bestand darauf und er sollte uns damit noch ein zweites Mal den Hinternan diesem Tag retten  …

Es ging  nicht lange, da hatte ich den dritten Platten. Nachdem wir die CO2-Kartuschen verbraucht hatten, wechselten wir uns beim Pumpen ab und taten auch mal etwas für unsere Arme. Mit zu viel Schmackes schafften wir es kurz vor Ende der Aktion das Ventil so abzureissen, dass es in der Pumpe versenkt stecken blieb. Schlauch kaputt, Pumpe kaputt. Sind wir wirklich so unfähig?! Das Positiv an der Situation war: wir hatten herrliches Bergpanorama und die Sonne lachte. Netter Weise gab uns eine anderes Team ihre Pumpe und wir wechselten zum vierten Mal einen Schlauch.

Unsere Pechsträhne sollte noch nicht zu Ende sein. Vier Kilometer vor dem Etappenziel hatte auch Meike noch einen Platten. Wenn schon Team, dann immer Team. Der letzte Schlauch den wir hatten kam zum Einsatz. Wir nahmen es mit Humor, denn es kann nicht immer alles glatt laufen und exakt solche Geschichten machen das Ganze doch auch zu einem besonderen Erlebnis.

Wir rollten die letzten Kilometer in den Ort Vittorio Veneto durch eine Allee. An jedem einzelnen Baum hatten die Bewohner Banner mit der Aufschrift „Willkommen Tour de Friends“ angebracht. Wir waren sprachlos und gerührt … und es sollte nicht nur eine leere Phrase sein. Auf dem Rathausplatz hatten die Bewohner der Stadt die Zielverpflegung sowie viele kleine Stände mit Produkten aus der Region aufgebaut. Mein Favorit war das Panna Cotta mit Karamellsoße – ein Traum!

An dieser Königsetappe erreichte der zweite Handbiker Justin das Ziel erst, als es bereits dunkel war. Nicht nur die ganze Crew und die Teilnehmer standen Spalier, auch der Bürgermeister empfing Justin und sein Team mit einer Flasche Rotwein an der Finishline. Tosender Applaus, der nicht enden wollte, sorgte für einen unbeschreiblichen Gänsehautmoment!

Final Stage: Vittorio Veneto – Jesolo

Wir nächtigten in einem Hotel etwas abgelegener von der Startline. „8:50 Uhr kommt der Shuttle – ihr müsst unbedingt pünktlich sein, sonst fährt er ohne euch!“ Okay, als der Bus auch um 9:30 Uhr noch nicht da war – um 10 Uhr begannen die Starts – wurden ein paar Leute nervös und trampten erfolgreich zum Start. Wir entschlossen uns gemäß dem Motto „Viva La Dolce Vita“, uns an die italienische Uhrzeit anzupassen. Der Shuttle kam mit einer Stunde Verspätung. Wir schafften es dennoch ohne größeren Stress pünktlich im Sattel zu sitzen.

Die letzte Etappe war flach und wir kreiselten, wann immer möglich mit unseren Mitstreitern gegen den Wind. Ein absolute Highlights waren wieder die Checkpoints mit Verpflegung. Die Einheimischen fuhren alles auf, was ging. Es gab Honigbrot, Prosecco, Schinken, Obst und vieles mehr aus der Region. In einem Hotel-Pool konnten die Radfahrer ihre Beine kühlen oder gleich komplett abtauchen. Wir überlegten, ob wir einfach den ganzen Tag dort bleiben sollten … die Versuchung war enorm.

Auch auf der letzten Etappe schafften wir es noch mal einen Platten wegen defektem Mantel zu haben. Wir standen erst mal ratlos rum, weil dieses Mal kein Reparaturteam in der Nähe war. Als Meike ihren Cliff Bar verdrückte, kam uns die Idee das Papier unter das Loch im Mantel zu legen. Es hielt bis ins Ziel – nennt uns Survival Champs, Yeah!

In Jesolo angekommen waren wir endlos glücklich und feierten gemeinsam mit allen anderen bei der Abschlussparty bis wir raus geschmissen wurden.

Fazit

Beim Rad Race Tour de Friends ist die Musik lauter, die Nächte zwischen den Etappen sind kürzer, die Menschen sind tätowierter und die Stimmung ist lässiger und trotzdem ist das Niveau von einigen Fahrern beachtlich. Man kann das Event nicht vergleichen mit anderen Etappenrennen und das ist auch gut so. Hier steht nicht der Renngedanke im Vordergrund,  sondern die gemeinsame Reise mit dem Rad. Dennoch wird gekämpft, weil alle diese Leidenschaft für das Radfahren im Blut haben.

Wen ich neben den Handbiker auch sehr beeindruckend fand, sind die Fixie-Fahrer. Die cruisen tatsächlich mit einem Gang und dafür ohne Bremse über die Alpen. Völlig verrückt und wirklich cool von den Jungs!

Die Organisation war überragend. Beachtlich, wenn man bedenkt, dass es die Premiere der Tour de Friends war. Wir waren absolut begeistert und ich werde bei der nächsten Tour de Friends wieder dabei sein. Es war 100% EMPFEHLENSWERT.

Do it. love it. Join us! and DO EPIC SHIT! Schnappt euch eure Mädels (und Jungs) und nehmt bei einem schönen Etappenrennen wie dem Rad Race teil. Die können da auf jeden Fall gut einen höheren Ladyanteil auf der Strecke vertragen;)

Wenn ihr euch für Rad Race Events interessiert findet ihr auf deren Homepage weitere Informationen.

 

Text: Luisa Keller
Fotos:  Carlos Fernandez Laser, Björn Reschabek, Christoph Steinweg, Bengt Stiller, Nils Laengner, Tom Schlegel,

 

 

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