Triathlon machen mit Lipödem

Triathlon mit Lipödem

 Schmerzfrei Triathlon machen ist für viele Triathletinnen Normalität, nicht jedoch für Verena, sie leidet unter Lipödem.

Schmerzfrei Triathlon zu machen, klingt für viele erst einmal abstrus, denn ab einer gewissen Distanz kann der Dreikampf immer schmerzhaft werden, bei mir ist das jedoch anders, ich leide seit meiner Pubertät aufgrund von Lipödem in Armen und Beinen an dauerhaften Schmerzen.

Lipödem – was ist das überhaupt?

Lipödem ist eine chronische Fettverteilungsstörung, die überwiegend bei Frauen auftritt. Eingeteilt in drei Schweregrade äußern sich die Erkrankung in einer Umfangszunahme der Arme und/oder Beine. Sie sehen oft im Verhältnis zum Oberkörper wesentlich kräftiger aus. Starke Druck- und Berührungsempfindlichkeit sowie schnell entstehende blaue Flecken, aber auch Schmerzen gehen mit der Erkrankung einher.
Jahrelang hatte ich mit einem täglichen Schweregefühl zu kämpfen, das meist ab dem Vormittag in starke Schmerzen überging. Die Beine schmerzten so stark, dass mir oft die Tränen in den Augen standen. Es hat mich fast verrückt gemacht. Beine hochlagern, kalt duschen oder gar Schmerzmittel halfen nicht. Zusätzlich zum Lipödem litt ich unter starkem Übergewicht. Zu lange hatten jahrelanges Mobbing in der Schule und während der Ausbildung Spuren hinterlassen. Ich wurde ständig als fett betitelt und so war Essen für mich mit Trost verbunden.

Lipödem ist eine Fettverteilungsstörung

Mein Traum vom Triathlon-Finish

Bis letztes Jahr. Ich hatte keine Lust mehr auf körperliches Unwohlsein und wollte mir einen langjährigen Wunsch erfüllen, endlich einen Triathlon zu finishen. Aber schaffe ich das überhaupt? Trotz großer Selbstzweifeln meldete ich mich in einem Triathlon-Verein an und rasch machte mir das Training unglaublich viel Spaß. Gepaart mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung purzelten elf Kilo fast wie von selbst. Nach langjährigen Diätversuchen, ein großer Hoffnungsschimmer.

Im Alltag trage ich Kompressionsstrümpfe, um Spannungsgefühl zu vermeiden. Beim Sport lasse ich sie, entgegen aller Empfehlungen, allerdings weg. Zumindest dann möchte ich mich frei ohne jeglichen Druck und Wärme an den Beinen bewegen können. Vor allem beim Laufen störten sie mich so kolossal, dass ich „schwere“ Beine lieber in Kauf nahm und dadurch gegebenenfalls langsamer bin. Zeiten sind mir ohnehin weitestgehend egal.

Ich weiß, ich habe noch „Glück“ und befinde mich noch nicht in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung. Andere Betroffene haben viel stärkere Beschwerden und können Sport nicht ohne Kompression ausüben. Das bringt vor allem beim Triathlon auch immer wieder Diskussionen mit sich, denn laut Sportverordnung der Deutschen Triathlon Union sind Strümpfe beim Schwimmen verboten. Kompressionsstrümpfe lassen sich aber auf einer feuchten Haut gar nicht anziehen. Daher bleibt einem nur die Hoffnung, dass der Veranstalter ein ärztliches Attest akzeptiert und man bereits beim Schwimmen mit Kompression starten darf.

Sport machen lindert die Beschwerden bei Lipödem

Konnte ich einen Triathlon bestreiten?

Ja! Ich habe dieses Jahr nicht nur meinen ersten Sprint-Triathlon absolviert, sondern ging auch erstmalig bei einem Radrennen und Halbmarathon an den Start. Beide Male mit Finish und voller Glücksgefühle. Ich kann aus meiner eigenen Erfahrung sagen, dass Sport und eine gesunde Ernährung zu einer Beschwerdeminderung beim Lipödem beitragen können und dies für jede Betroffene zur Therapie dazugehören sollte.

 

Text: Verena Heser
Fotos: privat

2 Kommentare

  1. Kathi/_akillya_

    Klasse Artikel, Verena!
    Danke an tritime-women für die Plattform!
    Abgesehen von Übergewicht/ Ernährung ist es bei mir genauso.
    Auch ich habe dieses Jahr mit Lipödem meine erste Sprintdistanz absolviert (u.a.). Sport hilft mir ungemein gegen die Schmerzen. Und das Gefühl beim finishen ist Balsam für die Seele!

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