Offseason mitten in der Triathlon-Hochsaison

Trekking-Abenteuer statt Trainingslager. Wenn Triathlon nicht mehr das Maß aller Dinge ist und plötzlich Zeit für Neues entsteht. Luisa über ihre Wandlung vom Vollblut-Ironman-Athleten zum Trekking-Tourist.

55 Stunden Training im Pfingsturlaub – Done! Das war vor genau einem Jahr, als ich mich auf einen Ironman vorbereitete. Ich befand mich im Triathlon-Tunnel, mein Motto lautete: Swim-Bike-Run-Sleep-Eat-Repeat und das war in dieser Lebensphase genau das Richtige für mich!

Seit über zehn Jahren mache ich nun schon intensiv, ambitioniert und mit echter Leidenschaft diesen Sport. Das heiße Lodern für den Sport ist nur gerade zu einer kleinen Streichholzflamme geschrumpft. Ursachen gibt es einige.

Viele von euch werden es kennen – neben dem zeitintensiven Triathlon-Training lief in den vergangen Jahren vieles nebenher und unter ständigem Zeitdruck. Arbeiten, Trainieren, Haushalt, Freunde treffen. Multitasking hin oder her, ich hatte oft das Gefühl, Dinge viel zu unbewusst zu erleben. Meine Verletzung im Februar hat mich zudem sportlich so sehr ausgebremst, dass ich erst mal wieder gesund werden muss und Triathlon zwangsweise in die Warteschleife gestellt wurde und siehe da: Ich hatte und habe ZEIT für Neues. Ich erfülle mir einen Traum und fliege nach Nepal.

Luisa genießt das einfache Leben in Nepal ohne Trainingsstress

Digital Detox

Die erste Maßnahme in Nepal war, das Handy auf Flugmodus zu stellen, damit dieses furchtbar unsoziale Smombie-Tum ein Ende hat. Es war die beste Entscheidung, endlich mal weg zu sein und absolute keinen Input aus der Welt zu bekommen. Entspannungsfaktor 1.000 und das ab dem ersten Tag. Ich kann jedem nur empfehlen, sich diese Offline-Zeit zu gönnen.

Der Annapurna-Trek

Auf der Trek-Route durch das Annapurna Gebirge durchquert man außer den Tropen alle  Klimazonen der Erde, so hatten wir anfangs 35 Grad und auf dem Pass gefühlt minus fünf Grad. Schlau zu packen, war daher das A und O. Mein Rucksack wog circa 13 Kilo. Ich entschied mich gegen einen Sherpa, da ich mir zutraute, mein Gepäck selbst zu tragen. Allerdings haben wir einen Guide angeheuert, einzig und alleine aus dem einen Grund, mehr über Land, Leute und Kultur zu erfahren. Von mehrtägigem Trekking in der Höhe hatte ich praktisch keine Ahnung. Meinen Nepal-Reiseführer habe ich vor der Abreise förmlich inhaliert und war somit bereits im Vorfeld theoretisch ein Profi. Der Annapurna-Trek ist relativ einfach. Der Weg ist markiert, der Schwierigkeitsgrad hält sich in Grenzen. Der Trek führt über den Thorong-La Pass, der mehr als 5.400 Meter hoch ist. Die Luft wird dort bereits spürbar dünner und man sollte sich daher zwingend über die richtige Akklimatisierung informieren.

Easy living

Die Schönheit der Natur auf dem Trek beeindruckte mich. Der Weg ist gesäumt von buddhistischen Gebetsmühlen, Windpferdfahnen und den gigantischen Bergen. Logistisch ist es einfach, zurecht zu kommen. Teehäuser und Unterkünfte sind ausreichend vorhanden. Allerdings waren wir in der Nebensaison unterwegs und gefühlt allein auf dem Trek. Übernachtet haben wir in einfachen Gästehäusern, schlichten Hütten, meistens ohne Strom und ohne fließend Wasser. Ich habe noch nie regionaler gegessen als hier. Es gibt nur das, was im Garten der Lodge wächst. Das heißt: Dal Baht power 24 Stunden lang – Linsen mit Reis und Gemüsecurry und das drei Mal täglich. Kein Wellness-Urlaub ist entspannter! Die Zeit spielt keine Rolle, die Geschwindigkeit der Fortbewegung wird immer gemütlicher umso Höher wir kommen. Als wir am Tag der Königsetappe den Pass bei strahlendem Sonnenschein und Neuschnee erreichen, fühlt es sich einfach unbeschreiblich gut an: wie das Erreichen der Finshline nur ohne Wettkampf und mit dem glücklichen Wissen, dass es noch gar nicht zu Ende ist.

Luisa auf dem Thorang-La Pass

Wasser und Plastikmüll

Seit ich Wasser 3.0-Botschafterin bin, mache ich mir noch mehr Gedanken über das Thema Umweltschutz. Dabei geht es nicht darum, mit dem Finger auf andere zu zeigen, sondern sich an die eigene Nase zu fassen, um selber besser zu werden, um einen Teil zum Umweltschutz beizutragen und weniger Müll zu produzieren. In Nepal musste für mich eine umweltfreundliche Lösung für Trinkwasser her. Mindestens sechs Liter pro Tag sollte man in den Bergen trinken, um der akuten Höhenkrankheit vorzubeugen. Das wären pro Person mindesten sechs Plastikwasserflaschen täglich. Mit der Müllentsorgung in den Bergen Nepals ist es schwer, Abfall wird einfach in ein Erdloch geworfen oder verbrannt. Um erst gar keinen Plastikmüll anfallen zu lassen, habe ich mir ein Wasserfiltersystem besorgt, mit dem man überall, an jeder Leitung, an Brunnen und Bächen Wasser einfach abfüllen kann. Auch zuhause überdenke ich einiges und trinke seit ein paar Monaten nur noch Leitungswasser –  die Wasserqualität bei uns in Deutschland ist bestens und wird extrem streng kontrolliert.

Impressionen vom Annapurna-Trek:

Do it. Love it. Join us.
Offseason machen, wenn es für dich an der Zeit ist 😉

Eure Lulu

 

Text: Luisa Keller
Fotos: Tim Keller