Rabea goes Wings for Life World Run

Rabea berichtet über ihre Erfahrungen beim diesjährigen Wings for Life World Run und warum sie es jederzeit wieder machen würde.

Der Wings for Life World Run 2019 ist Geschichte. Das Ziel, für einen guten Zweck zu laufen und Geld für die Rückenmarkforschung zu sammeln, wurde einmal mehr rege wahrgenommen. Rabea hat sich in Luzern unter die Läufer gemischt und ganz unterschiedliche Teilnehmer mit unterschiedlichen Beweggründen getroffen. Julia beispielsweise war noch nie bei einem Lauf mit dabei und ist das erste Mal zwölf Kilometer gelaufen. Einige Läufer haben auf der Durchreise einen Stopp geplant, weil sie das Format des Rennens so schätzen, andere nutzen den Run als Trainingslauf an einem freien Sonntag oder wollten sich einmal von der Formel1-Legende David Coulthard überholen lassen. Und ein Teilnehmer war dabei, der an diesem Tag nach vielen Jahren im Rollstuhl selbst wieder die ersten Meter auf den eigenen Beinen absolvieren konnte.

Impressionen vom Wings for Life World Run 2019 in Zug

Fotos: Wings for Life World Run 2019

Geld für die Rückenmarksforschung

Es sind diese vielen Geschichten und Schicksale, die diesen Lauf so speziell machen. Zu laufen, für alle, die genau das nicht bzw. nicht mehr oder noch nicht wieder können. Und dennoch gemeinsam mit ihnen am Start zu stehen und mit dem gesammelten Geld für die Rückenmarksforschung einen kleinen Teil dazu beizutragen, dass es vielleicht eines Tages möglich ist, dass der eine oder andere wieder laufen kann. Wie wertvoll die Freiheit, zu laufen ist, weiß jeder, der diese Leidenschaft teilt. Man wird dankbar, wenn man am Start dieses Laufes steht. Dankbar, diesen wundervollen Sport ausüben zu dürfen. Dankbar, weil es jeden von uns innerhalb von Sekunden treffen kann und die Leidenschaft fürs Laufen von jetzt auf nachher beendet sein kann, weil die Beine einen nicht mehr tragen. Diese Dankbarkeit spürt man bei diesem Lauf.

Rabea macht den Pacemaker

Nachdem ich selbst bereits als Teilnehmerin beim Wings For Life Run gestartet bin, wurde ich dieses Jahr von den Hauptsponsoren Suunto/Salomon ausgewählt und durfte als Pacemakerin für 20 Kilometer am Start stehen. Meine Aufgabe war es, so zu laufen, dass uns das CatcherCar und somit die Finishline, nach 20 gelaufenen Kilometern einholt. Für alle, die noch nichts über dieses CatcherCar gehört haben, sei gesagt, dass ein speziell mit Zeitmessanlage ausgestattetes Auto eine halbe Stunde nach Startschuss, sich mit 12 km/h in Bewegung setzt und nach und nach die LäuferInnen „einsammelt“. Sobald das CatcherCar einen überholt, ist das Ziel erreicht. Es ist also völlig egal, wie viele Meter oder Kilometer jeder einzelne läuft. Jede(r) schafft es ins Ziel. Meine Aufgabe, möglichst konstant ein Tempo zu laufen, war am Anfang herausfordernd. Durch die Zuger Altstadt gab es einige Engstellen. Wenn knapp 5.000 Läufer sich durch die Straßen in unterschiedlichen Tempi bewegen, kann man schon einmal ausgebremst werden. Dennoch fanden David – mein Pacemakerpartner – und ich rasch unser Tempo und hatten schnell ein paar Anhänger, die uns bis Kilometer 20 begleiteten. Die größte Herausforderung neben Schneehagel, starkem Wind und nasskalten Bedingungen, kurz gesagt, „richtig garstigem Wetter“, bestand darin, nicht in „Wettkampfmodus“ zu verfallen und sich von der laufenden Menge mitreißen zu lassen. Immer wieder stellte ich fest, dass mein Körper und Kopf das Programm „Wettkampf“ recht gut abgespeichert und automatisiert haben und einfach Vollgas rennen wollten. Immer wieder erinnerte ich mich daher daran, dass Tempo rauszunehmen und kontrolliert zu laufen.

Dankbarkeit und Zufriedenheit waren überall zu spüren

Die Stimmung auf und an der Strecke war großartig – selbst am Streckenrand standen so viele Leute, die mitfieberten, anfeuerten, alles gaben und dem widrigen Wetterbedingungen trotzten. Auch mehrfach Ironman Weltmeisterin Daniela Ryf stand nach ihrem Lauf noch zum Anfeuern an der Strecke. Eine schöne Geste. David Coulthard schnappte uns tatsächlich kurz nach dem Kilometer 20 Schild. Das Timing war perfekt und überall um uns herum gab es strahlende und stolze Gesichter. Einfach schön. Immer wieder kamen Leute auf uns zu und bedankten sich. Wie schön, wenn man so ein Feedback bekommt. Ich habe nach dem Lauf niemanden getroffen, der unzufrieden mit sich und/oder seiner Leistung war. Ich habe auch keine enttäuschten Gesichter gesehen, weil die eigenen Erwartungen nicht erfüllt wurden. Man doch eigentlich viel schneller kann. Oder das Material nicht gestimmt hat. Oder das Wetter. Oder die Gruppe nicht gepasst hat. Oder man von anderen Läufern ausgebremst wurde. Stattdessen herrschte pure Freude am Laufen und den bewältigten Kilometern. Einfach schön.

Spannung bis zum Schluss

Wenn ein Lauf wie dieser, auf der ganzen Welt zeitgleich stattfindet, dann heißt das am Ende für die Läufer, die noch im Rennen sind, dass sie sich in einem ganz besonderen Ausscheidungsrennen befinden. Sie laufen gegen alle anderen Läufer, die weltweit noch im Rennen sind. Eine Konferenzschaltung in die verschiedenen Länder zu den verbliebenen Läufern überträgt die Endphase des Rennens. Je länger das Rennen geht, umso schneller wird das CatcherCar bis am Schluss nur noch ein einziger Läufer oder eine einzige Läuferin weltweit übrig bleibt. Die Läufer selbst bekommen davon nichts mit – sie wissen nur von der Situation in ihrem jeweiligen Land. Und so war die Siegerin in der Schweiz, Nina Zarina, mehr als überrascht, dass sie mit 53,2 Kilometern nicht nur Siegerin in Zug wurde, sondern auch die global Challenge für sich entscheiden konnte. Frauenpower – yiiihhaa! Und sehr sympathisch obendrein!

Wer Lust bekommen hat, der sollte sich nächstes Jahr unbedingt den 03. Mai 2020 freihalten. Es lohnt sich. Mal sehen, in welchem Land für mich der nächste Wings for Life Run stattfindet.

Eure Rabea

P.S. : Wer das Rennen noch mal in einem Lifestream sehen möchte, kann das hier tun.

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