Fearless. Female. Cyclist

Ein Blick hinter die Kulissen der Radmarke Veloine

Die Radmarke Veloine spricht ganz gezielt nur Frauen an. Der Slogan “Fearless.Female.Cyclist“ soll dabei ein besonderes Lebensgefühl vermitteln. Wir haben mit Gründerin Sandra Waschnewski aus München gesprochen, was genau hinter dem Label steckt.

Wie und warum kommt man auf die Idee, eine Radkollektion nur für Frauen zu machen, wo es doch eigentlich schon sehr viele Radsachen für Frauen gibt?

Das war bei uns wie vermutlich bei vielen anderen Gründer-Geschichten: die Idee entsteht zunächst aus der persönlichen Leidenschaft und dem eigenen Bedarf. Ich selbst habe eine große Leidenschaft für den Radsport – und für Mode. Klar, es gibt Radsachen für Frauen – aber bei vielen Marken ist das Angebot für Frauen deutlich kleiner als das für Männer. Und das, obwohl mittlerweile mehr als ein Viertel aller Rennradsportler Frauen sind. Vielmehr noch hat mich aber gestört, dass das Bild vom Frauen-Radsport – und auch die typische Radmode für Frauen – nicht meinem Bild vom Sport entsprach. Du findest gerade bei Mainstream-Marken sehr viel pink und Blümchenmuster, vieles ist sehr verspielt. Im Triathlon sind die meisten Brands sehr plakativ. Wir haben eine Lücke im Markt gesehen für Bekleidung, die sowohl Performance als auch Design orientiert ist und es schafft, moderne, modebewusste Frauen dediziert anzusprechen, abzuholen und ihnen mehr Raum im Sport zu geben. Darin lag für uns die Chance.

Wer steckt hinter Veloine und was macht ihr, wenn ihr nicht gerade Radklamotten für Frauen designt und produziert?

Wir sind im Kern ein zweiköpfiges Gründer-Team. Ich arbeite seit über 15 Jahren im Bereich Marketing & Kommunikation, mein Geschäftspartner ist seit vielen Jahren in der Beratung unterwegs und ebenfalls begeisterter Radsportler und Hobby-Triathlet. Unterstützt werden wir von Freiberuflern (z.B. Design, Vertrieb) und einer kleinen Armada aus Fahrerinnen, die uns mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Veloine-Gründerin Sandra Waschnewski und ihr Geschäftspartner Jürgen. Foto: Stephan Wieser

Beschreibe für unsere Leserinnen bitte Veloine in drei Sätzen.

Veloine ist eine Premium-Marke für Frauen, denen sportliche Leistung ebenso wichtig ist wie Mode. Unser Stil ist zurückgenommen und unaufgeregt; wir sind feminin, aber nicht mädchenhaft.

Was ist das Besondere an Veloine?

Unser Fokus auf Frauen ermöglicht es uns, viel besser auf deren Bedürfnisse einzugehen – sowohl im Produkt als auch in der Ansprache. Ich glaube wir schaffen es, Frauen auf dem Rad ein Gefühl zu vermitteln. Es geht nicht allein um das Produkt – klar, das muss Preis-Leistungsmäßig stimmen und den Nerv der Zielgruppe treffen. Aber am Ende des Tages kauft man nicht nur ein Produkt, sondern eine Emotion und etwas, dass man mit der Marke verbindet.

Es gibt nicht die typische Radfahrerin … wie findet man eine Passform bei Trikots und Hosen, die möglichst vielen Frauen passt?

Das ist in der Tat nicht so leicht. Wir sind das ganz praktisch angegangen: ich habe mir verschiedene Schnitte angeschaut und überlegt, was daran gut oder schlecht funktioniert. So haben wir einen Schnitt mithilfe eines Designers entwickelt, der möglichst viele gute Elemente vereint. Schließlich mussten wir uns diese Kenntnisse erst erarbeiten. Unsere extrem niedrige Retourenquote zeigt uns, dass wir bei Schnitt und Passform einiges richtig gemacht haben.

Eine gute Radhose steht und fällt mit dem Sitzpolster und den Bündchen. Nichts darf drücken. Was habt ihr euch hier einfallen lassen?

Absolut! Viele Frauen-Radhosen haben relativ dicke, breite Polster – wir setzen bewusst auf ein etwas schmaleres Polster, dass sich besonders gut anpasst. Man hat so immer noch einen sehr guten Schutz, auch auf langen Ausfahrten – aber nicht dieses „Windel-Gefühl“. Bei den Bündchen schaffen wir Lösungen, die bequem sind, aber auch der Figur schmeicheln – wie zum Beispiel das cross-over Piece bei unserer Bib Shorts, und weiche Bein-Abschlüsse, die nicht einschneiden.

 

 

Wie lautet eure Philosophie? Und warum macht ihr nur Frauensachen?

Wir glauben, dass Radsport ein Sinnbild des Lebens ist – du quälst dich den Berg rauf, und du weißt, dass die Abfahrt es wert ist. Mal hast du Gegenwind, mal rollt es wie von selbst. Du fällst hin, stehst auf, fährst weiter. Genau dieses Gefühl wollen wir transportieren. Unser Fokus auf Frauen hat verschiedene Gründe. Allen voran, dass Frauen im Radsport unterrepräsentiert sind und eine bessere Wahrnehmung brauchen. Und letztlich ist der Markt für Männer-Radbekleidung sehr überlaufen. Wir haben uns daher bewusst für diese Nische entschieden.

Wo produziert ihr?

Performance Wear produzieren wir ausschließlich in Italien, einige Accessoires in anderen EU-Ländern. Uns war es wichtig, die Produktion in der EU zu haben – zum einen, weil wir sie damit einfacher steuern können, aber auch weil unsere Ware nicht um die halbe Welt fliegen soll.

Was ist euch wichtig?

Neben dem schlichten femininen Design – was sicher immer auch Geschmackssache ist – liegt der Fokus bei uns auf sehr hochwertiger Qualität. Das zeigt sich in kleinen Details, wie zum Beispiel extra flachen Nähten. Es gibt ein breites Angebot an günstiger Radbekleidung für Frauen – wir adressieren ganz bewusst das Premium Segment.

Sind eure Sachen nachhaltig?

Aktuell haben wir noch keine Modelle die vollständig aus Recycling-Stoffen hergestellt sind, planen das aber für das kommende Jahr. Bei der Wahl der Stoffhersteller – und letztlich unseres Produktionspartners – haben wir darauf geachtet, dass diese die geltenden Standards erfüllen. Und letztlich ist auch die Entscheidung für eine Produktion in Italien im Streben nach Nachhaltigkeit begründet.

Was verbirgt sich hinter dem Slogan „Fearless female cyclist“

Veloine ist ein Kunstwort aus „Velo“ und „Heroine“, dem englischen Wort für Heldin. Es bedeutet so viel wie Radheldin. Wir haben lange gegrübelt, wie sich das ins englische übertragen lässt, da wir von Beginn an internationale Märkte adressiert haben. Daraus ist dann „Fearless. Female. Cyclist.“ entstanden. Mittlerweile spiegelt der Slogan nicht nur unseren Marken-Namen wider, sondern hat sich zu einem Lebensgefühl entwickelt. Wir bekommen viele Nachrichten von Frauen, die uns sagen wie sehr sie sich damit identifizieren können und wie sehr sie das motiviert. Und da sind wir wieder bei dem Aspekt: es geht darum, die Zielgruppe Frau richtig anzusprechen und ein Gefühl zu vermitteln.

Was sind die Erkenntnisse nach einem Jahr Veloine?

Puh, wo soll ich anfangen :-). Als Branchen-Neulinge haben wir sicher lernen müssen, wie schwierig die Fahrradindustrie ist – was aber nichts an unserem Vorhaben geändert hätte. Wir haben das erste Jahr überlebt, was nicht vielen Start-ups gelingt – und sind sehr gut in die neue Saison gestartet. Insofern ist unser Fazit positiv.

Hat die Corona-Krise Auswirkungen auf euer Geschäft und wenn ja wie, geht ihr mit der Situation um?

Ja, definitiv. Events sind für uns eine wichtige Plattform, um unsere Marke und Produkte erlebbar zu machen – das wird auf absehbare Zeit nicht stattfinden. Neben großen Events wie den Cyclassics hatten wir Women’s Rides unter anderem in München, Frankfurt, Hamburg geplant, die nun erst mal auf Eis liegen. Wir sehen in allem aber immer eine Chance – so haben wir zum Beispiel „Yoga for Cyclists“ Online Live Kurse angeboten, demnächst folgt ein Core Training. Damit halten wir den Kontakt zu unserer Community und können unseren Kundinnen und Fans eine Abwechslung zu Indoor und Solo Rides bieten.

Danke für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

Interview: Meike Maurer
Fotos: Kathrin Schafbauer und Stephan Wieser

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