Das Kraftmacherbuch – von Frauen für Frauen

Dein Kraftmachbuch bei Kummer. Doris Kessel und Stefanie Eckrich haben zusammen ein Buch veröffentlicht, dass wir euch in dieser Serie vorstellen wollen.

Kennst du den Satz: “Ich kann nicht mehr!”? Dieses Gefühl von unendlicher Schwere, Leere und Traurigkeit? Du kannst dich zu nichts motivieren und möchtest am liebsten den ganzen Tag im Bett liegen bleiben? Du fühlst dich kraftlos, ohne jegliche Energie?

Einführung

Wir kennen das sehr gut. Deshalb haben wir dieses Buch für dich geschrieben. Weil wir wissen, wie schwer es ist, sich aus diesem tiefen Kummerloch wieder herauszuziehen. Aber unsere persönlichen Erfahrungen und die vieler anderer Frauen haben uns gezeigt, dass es Wege gibt. Jeden Tag ein kleines bisschen mehr.

Wir wissen nicht, wo du gerade stehst und was deine Themen sind. Jeder Mensch ist anders. Uns ist es wichtig, dass du deiner eigenen inneren Stimme folgst. Auch wenn sie verschüttet sein mag – du kannst sie wieder entdecken. Wir möchten dir dabei helfen.

Mit diesem Kraftmachbuch wollen wir dich auf allen Ebenen deines Systems ganzheitlich und umfassend stärken. Wir geben dir dafür zahlreiche Übungen, Impulse und Inspirationen, die du immer wieder individuell in deinen Tagesverlauf einbauen kannst. Damit es dir es besser geht. Damit du zur besten Expertin für dich selbst wirst. Damit du wieder in deine Kraft kommst. Das wünschen wir dir von Herzen.

AUFBAU des Buches

  • Soforthilfe 
    Viele Übungen und Tipps, sortiert nach Tagesverlauf, mit denen wir dich unterstützen und durch deinen Alltag begleiten wollen.
  • Mutmachgeschichten   
    Unsere ganz persönlichen Geschichten und was uns in den schlimmsten Momenten geholfen hat. Gefolgt von weiteren kraftvollen Lebensgeschichten von wunderbaren Frauen, die uns sehr berührt haben.
  • Körper (re-)aktivieren
    Hier findest du viele Anregungen, um durch Bewegung wieder mehr Kraft und Energie in deinen Körper zu bringen.
  • Mental stärker werden Mit diesen Übungen kannst du dich psychisch selbst stärken und dich mehr und mehr aus der negativen Gedankenspirale herausziehen.
  • Warum immer ich?   
    Vielleicht kennst du diese Frage. Wenn du offen und bereit dafür bist, kannst du dich diesem Kapitel widmen.
  • Weitere Inspirationen
    Hier findest du, was uns auf unserem persönlichen Weg unterstützt: Bücher, Filme, Musik und Menschen, die uns sehr inspirieren. Möge es dir auch weiterhelfen.

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WOCHE 1 – aus dem Kapitel: Soforthilfe für den Alltag

Lebensfreude mit Doris

Wenn du nicht schlafen kannst. Lege dich verkehrt herum ins Bett.

So bringst du dein System durcheinander. Und das wollen wir. Wir wollen alte Muster aufbrechen, die immer wieder zu der gleichen Negativ-Spirale führen. Wir wollen die Dinge anders machen, damit du die Chance hast, dass es diesmal anders laufen kann. Dort wo sonst deine Füße ihren Platz finden, lege deinen Kopf ab. Und wo sich sonst dein Kopf bettet, dürfen es sich nun deine Füße bequem machen. Finde heraus, was es mit dir macht.

Lasse alle Bilder, die dich runterziehen in Gedanken immer heller werden.
Ja, heller und heller, noch heller, bis sie strahlend weiß sind.

Atme tief ein und aus.

Nochmal.

Tief ein und aus.

Nochmal.

Wenn du einatmest, sage dir, innerlich oder laut: ICH LASSE

Wenn du ausatmest, sage dir, innerlich oder laut: LOS

Wiederhole das, solange es dir gut tut.

Zählst du noch oder schläfst du schon?

Deine Gedanken kreisen und machen dich wahnsinnig?

Dann:

Zähle wie lang dein Einatemzug ist.

Zähle wie lange dein Ausatemzug ist.

Versuche nun mit jedem weiteren Ausatemzug, diesen um je eine Sekunde zu verlängern.

Zum Beispiel:
Du atmest z.B. drei Sekunden ein und drei Sekunden aus. Beim nächsten Mal atmest du vier Sekunden aus. Dann versuchs mit vier Sekunden einatmen und fünf Sekunden ausatmen usw.

Und bitte sei gut zu dir. Mache keinen Wettkampf daraus.

Weit weg vom Kopf

Wandere mit deiner Aufmerksamkeit von deinem Kopf nach unten in deine Füße.

Ganz nach unten in deinen linken kleinen Zeh.

Wie sieht dieser Zeh von innen aus?

Was kannst du dort wahrnehmen?

Wandere nun von Zehe zu Zehe.

Versuche dich, von innen zu betrachten.

Kannst du den Knochen sehen?

Mit dieser Übung kommst du weit weg von deinem Kopf, kannst dich selbst beruhigen und vielleicht sogar darüber einschlafen.

Kreiere deine eigene Schlaf-Traum-Fabrik
Kannst du dich an deine Träume erinnern? Manche Menschen können das sehr gut, manche nicht. Aber Fakt ist, dass wir immer träumen. Das wird in Schlaflaboren sogar gemessen. Unsere Träume spiegeln unser Unterbewusstsein wieder. Alles was wir in unseren mentalen Keller schieben, kann über Träume zum Vorschein kommen. Wenn dich das Thema interessiert, gibt es tolle Bücher zur Traumdeutung. Wobei es nicht darum geht, dir zu sagen, was die Bilder genau bedeuten, sondern wieder einen Draht zu deinem Unterbewusstsein zu bekommen, damit du es selbst deuten kannst. Dafür könntest du z.B. ein Traumtagebuch führen. Denn wenn du Dinge aufschreibst, werden sie viel klarer, als wenn sie nur in deinem Kopf sind.

Und nicht nur das. Du kannst deine Träume sogar bewusst beeinflussen. Man nennt das “Luzides Träumen”. Infos findest du im Internet – auch Kursangebote, wenn du es lernen möchtest.

Für uns ist das Spannendste, wenn wir eine Frage haben, aber keine Antwort finden. Dann bitten wir unser Unterbewusstsein, uns im Traum eine Antwort zu geben. Und zwar so, dass die Message klar, deutlich und verständlich ist.

Probiere es aus. Vielleicht hilft es dir.


Traum von Doris: Jeder nimmt die Welt anders wahr
Während meiner Kummerphase und der Trennung von meinem Mann hatte ich die verrücktesten Träume. Ich habe genau gemerkt, was da noch an alten Themen hochkam und was ich noch nicht verarbeitet hatte. Auch aus ehemaligen Beziehungen. Mein Unterbewusstsein hat mit mir über meine Träume kommuniziert. An einen kann ich u.a. sehr gut erinnern:

Ich war an einem See. Mein Ex-Mann war auch da, ebenso Freunde und Bekannte. Ich hatte einen Fotoapparat dabei und machte ein Foto von dem See. Zu meiner Überraschung war auf dem Bild nicht der “reale” See, sondern ein See voller Magie und Zauberei. Auf dem Bild war alles heller und leuchtender mit phantasievollen Wesen.

Mein Mann machte auch ein Foto und das Bild sah wieder anders aus als meines und das, was tatsächlich vor uns lag. Wir hatten immer dieses Thema, welcher Weg wohl der bessere ist. Ich konnte mit manchen seiner Sichtweisen und Vorlieben genauso wenig anfangen, wie er mit meinen “Spirikram”.

Für mich war das ein klarer Hinweis, erkennen zu dürfen, dass jeder die Welt anders sieht. Jeder von uns hat diese Fotolinse im Kopf und nimmt die Dinge anders wahr – und dabei gibt es kein richtig oder falsch, sondern nur das, was gerade ist. Und das kann für jeden von uns jeden Moment anders sein. Weder sein Weg noch mein Weg ist besser oder schlechter. Jeder von uns geht den Weg, der jeweils für den anderen besser passt. Das war mein Traum-Lern-Geschenk.

Und bitte denke immer am Ende des Tages daran …

… du hast diesen Tag geschafft. Du hast diesen verf*** Tag gerockt! Wie auch immer du das gemacht hast. Du bist durchgekommen!

Und Morgen ist ein neuer Tag. Und dieser hat die Möglichkeit, besser zu werden. Jeden Tag ein kleines bisschen besser. Das wünschen wir dir von ganzem großen Herzen!

“Jeder Tag ist ein neuer Anfang.” George Eliot

Ideen-Liste für kurz vor dem Einschlafen:
– Die Kraft der Dankbarkeit
– Vorprogrammieren auf Morgen

Ideen-Liste, wenn du nicht einschlafen kannst:
– Verkehrt herum schlafen
– Ausatem verlängern
– Negative Gedankenbilder immer heller werden lassen
– Gedanklich weit weg vom Kopf wandern
– Schlaf-Traum-Fabrik

Mehr Tipps: Einschlafinspiration von Doris

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WOCHE 2 – Mutmachgeschichten

Steffie's Mutmachergeschichte

Steffie: Kummer. Ein Wort und doch so facettenreich, wie du selbst 
 
Ich nehme dich mit auf die facettenreiche Reise durch die Welt meines Kummers und darüber hinaus. Ein schleichender Prozess von Außen nach Innen:
Wenn ich nicht 100% gebe, dann bin ich ein Versager. War einer meiner Glaubenssätze, der mich bis zu meinem 29. Lebensjahr treu begleitete.
 
In der Arbeit, in Beziehungen aller Art, Familie, Freunde, Partner, im Triathlon. Mein Motto: Überall immer alles geben, 100%. Doch irgendwann da reichten mir die 100% nicht mehr aus. 120% mussten es sein. Höher, weiter, schneller. Immer mehr und mehr und das am besten noch ohne Pause!
 
Wer zum Teufel braucht schon Pausen? Was für eine Zeitverschwendung! 
 
Ich wollte schließlich eine Frau sein, die fest mit beiden Füßen auf dem Boden steht. Die ihr Leben perfektionistisch, durchorganisiert, strukturiert, diszipliniert im Griff hat. So wie sie es von Kindesbeinen an gelernt hatte. Voller Energie, sportlich, stark, mutig, immer zu lächelnd ihren Weg gehend. Eine Frau, die sich von nichts unterkriegen lässt, alles alleine schafft und sich für alle anderen aufopfert! 
 
Nie Schwäche zeigen
 
Nach außen hin, habe ich das auch alles verkörpert. Doch in mir, sah es ganz anders aus: Mein Leben wurde bestimmt und diktiert von Regeln und Verboten. Und wehe, ich habe diese gebrochen! Bloß keine Fehler machen oder Schwäche zeigen! Meine Probleme, meine Ängste, meine Sorgen, vieles davon habe ich für mich behalten, geschluckt. Schließlich wollte ich mein Umfeld ja nicht enttäuschen und vor allem meinen Eltern keinen Kummer bereiten. Sondern, so wie es einem die Gesellschaft vorlebt, beibringt, einfach funktionieren.
 
Im Laufe meiner Kindheit und während meiner Jugend habe ich diesbezüglich für mich folgende Lebensformel aufgestellt:
 
Wenn du erfolgreich und anerkannt sein willst, dann musst du dünn, fit, schön, erfolgreich, glücklich, intelligent, gepflegt, besonders, diszipliniert und perfekt sein! 
 
Bist du hingegen dick, faul, träge, lässt du dich gehen, bist ungepflegt, dumm, undiszipliniert, unperfekt, so wird über dich gelästert und geschimpft und du bist nichts wert!  
 
Immer mit dem Strom schwimmen
 
Und diesen auferlegten Lebensformel bin ich dann jahrelang gefolgt. Fest der Annahme, dass das so schon seine Richtigkeit hat. Vieles, was mir durch die Erziehung meiner Eltern beigebracht worden ist, was mir vorgelebt wurde, sei es auch während der Schulzeit, durch Lehrer, Mitschüler, später durch Arbeitskollegen, durch Medien, habe ich einfach hingenommen. Oft eins zu eins auf mich übertragen, ohne vorher zu überprüfen, ob es auch mir, meinen Vorstellungen, meiner Authentizität entspräche. Ich habe mich jahrelang “nur im Außen befunden”. Und bin  so einfach irgendwo, zwischendrin, mit dem Strom geschwommen.
 
Probleme zu äußern, war mir fremd
 
Schon als Kind war ich “eine kleine Erwachsene”. Vernünftig, ordentlich, zuvorkommend. Doch irgendwann, fing ich an zu rebellieren. Ich wollte auch einfach mal “Kind sein”, was ich ja nie wirklich war, was ich mir auch nicht erlaubte zu sein. Ich entwickelte aggressive Verhaltenszüge. Meist auf verbaler Ebene, wenn ich mir nicht mehr anders zu helfen wusste. Wie ich Probleme lösen könnte, habe ich nie wirklich gelernt. Ich habe mich nicht getraut, sie zu äußern, aus Scham, aus Angst, abgelehnt, verurteilt oder in eine Schublade gesteckt zu werden. Also habe ich sie einfach geschluckt. Deckel drauf. Doch irgendwann, schoss all das angestaute, geschluckte Zeugs aus mir heraus. Es explodierte im wahrsten Sinne des Wortes “die Bombe”. Und das meist ohne Vorankündigung.
 
Nach dem Schulabschluss, war es Gang und Gebe eine Ausbildung zu beginnen.
 
Während meine Mitschüler teils einen weiteren schulischen Bildungsweg einschlugen … tolle Ausbildungsplätze in Banken, Unternehmen und Firmen bekamen, war mein Berufswunsch, etwas kreatives, phantasievolles auszuüben. Floristin, das wäre genau mein Ding gewesen. Doch der Verdienst, lächerlich! Dafür am Wochenende in einem kalten Laden stehen?! Außerdem kam ich mir, den anderen gegenüber, mit meinem Berufswunsch so klein und unbedeutend vor. 
 
Alles tun für Anerkennung und Beachtung
 
Und so habe ich, sozusagen, aus der Not heraus, ein “Freiwilliges Soziales Jahr” im Krankenhaus absolviert und ein halbes Jahr später dann die Ausbildung zur Krankenschwester begonnen. Da tue ich etwas Gutes, opfere mich auf, arbeite wie selbstverständlich am Wochenende und im Schichtdienst. Genau dafür könnte ich Anerkennung und Beachtung erhalten! Was mir zu dieser Zeit so sehr wichtig war! Ebenso, was andere von mir denken! Und so habe ich mich wieder einmal mehr im Außen befunden. Habe mich angepasst, um gemocht zu werden, anstatt ich selbst zu sein. 
 
Nach Beendigung der Ausbildung wurde ich von meinem damaligen Arbeitgeber nicht übernommen und das nagte sehr an meinem Selbstbewusstsein! War ich eine schlechte Krankenschwester? Warum wollten sie mich nicht einstellen? Ein weiterer Punkt, der mich an meiner Berufswahl hat zweifeln lassen!
 
Ich wollte auch nicht arbeitslos sein. Das würde ja bedeuten, das ich träge, faul, undiszipliniert wäre und letzten Endes dick werden würde. So blieb mir nichts anderes übrig, als das erste Mal von zu Hause auszuziehen und mir einen Arbeitsplatz, in einer anderen Stadt zu suchen. Und so fand ich mich in München wieder. Diese Zeit war für mich, für meine Eltern und auch für meinen damaligen Freund alles andere als einfach. Einerseits war ich natürlich froh darüber, eine Anstellung gefunden zu haben, Geld zu verdienen. Andererseits, war ich während dieser eineinhalb Jahre, einfach nur unglücklich. Ich fühlte mich alleine, einsam, hatte unglaubliches Heimweh und musste plötzlich mein Leben, meinen Alltag selbst gestalten. Waschen, kochen, einkaufen. Dinge, die ich zu Hause nie wirklich gelernt hatte und die ich jetzt aber einfach erledigen musste, obwohl ich davon keinen Plan hatte. Und diese “Schicki-Micki-Stadt”, einfach nicht mein Ding!
 
Nach eineinhalb Jahren in München, ging es dann plötzlich ganz schnell. Ehe ich mich versah, hatte ich den Auflösungsvertrag unterschrieben und den Einstellungsvertrag an meiner Ausbildungsklinik in der Tasche. 
 
Zurück nach Hause. Das war alles was ich wollte! Doch was war der Preis dafür?
 
Die Arbeit auf der neuen Station erfüllte mich in keiner Hinsicht! Im Gegenteil, ich wurde immer unzufriedener, unglücklicher und das obwohl ich doch wieder zu Hause war und mittlerweile auch mit meinem damaligen Freund in die erste gemeinsame Wohnung gezogen war. Mein Ausweg damals aus der Situation: ich hielt weiterhin an der Arbeit fest und beendete dafür die Beziehung. 
 
Was will ich wirklich
 
Was will ich eigentlich wirklich?
 
Anstatt jetzt mal darüber nachzudenken, was ich denn beruflich wirklich wollte, habe ich mir getreu meinem alten Motto: “höher, weiter, schneller”,  einfach eine neue Herausforderung gesucht. Vielleicht auch eine Art um mich von all den Gefühlen und Gedanken, die ich zu dieser Zeit verspürt habe, abzulenken. Und so wechselte ich hausintern auf die Intensivstation. Von Anfang an war dieser Arbeitsplatz für mich der pure Wahnsinn. Was bin ich weinend aus dem Dienst nach Hause gefahren. Die Schicksale der Patienten nahmen mich psychisch ganz schön mit. Das Gepiepse und Gepfeife all der Maschinen brachten mich innerlich wie einen Kreisel zum Rotieren. Ich träumte selbst nachts von sämtlichen Gerätschaften. Nahm viel aus der Arbeit mit nach Hause und konnte einfach irgendwann selbst nicht mehr abschalten. Ich war schon immer ein sehr feinfühliger, mitfühlender, sensibler Mensch. Nahe am Wasser gebaut. In den Augen meiner Mitmenschen, war das einfach “unnormal”. “Ach, du Sensibelchen!” “Was heulst du denn jetzt schon wieder rum!” “Nimm dir doch nicht alles so zu Herzen!” Ich schämte mich unglaublich dafür, so zu sein.
 
Tschüss Selbstvertrauen
 
Im Vergleich zu meinen Kollegen kam ich mir auch oft einfach nur unglaublich dumm und unwissend vor. Was mein Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen rapide in den Keller fahren lies. Doch im Gegensatz dazu, wollte ich so schnell wie möglich, auch so schlau und so perfekt arbeiten wie meine Kollegen. Was für eine Tal- und Bergfahrt! 
 
Hier hätte ich wieder einmal die Möglichkeit gehabt, aus diesem Zug auszusteigen. Doch ich bin sitzengeblieben und weitergefahren. Wieder einmal, stellte ich meine Bedürfnisse, Wünsche hinten an. Aus Angst vor Ablehnung. Aus Angst, in den Augen der anderen etwas Falsches zu tun, nicht der Gesellschaft, der Norm zu entsprechen. Und so absolvierte ich trotz allem Unbehagen, die Intensiv- und Anästhesie-Fachweiterbildung. Danach war ich in einigen Arbeitsgruppen tätig und nahm schliesslich die Stelle als stellvertretende Stationsleitung an. “Höher-weiter-schneller” eben. Passend zu meinem Leben.
 
Höher – schneller – weiter
 
Ich tat das alles, nicht, weil ich es wirklich wollte, sondern, weil mich andere Personen in diesen Gruppen oder Positionen sahen. Da war sie wieder, die Befriedigung der Sucht nach Anerkennung und Aufmerksamkeit von außen, da ich mir selbst, keine Anerkennung und Aufmerksamkeit schenkten konnte. Für was denn auch?! Und die Zeit rannte mir langsam davon. Schließlich wollte ich doch mit  30 verheiratet sein. Inklusive Kind, Haus und Hund. So wie es mir die Gesellschaft vorlebte. Mein damaliger Freund wollte von alle dem nichts wissen und so war ich wieder einmal nicht nur wegen der Arbeit, sondern auch in meiner Beziehung unglücklich. 
 
Das Leben, ist eben ein Auf und Ab.
 
“Auf Ebbe folgt keine Ebbe sondern die Flut” (Verfasser unbekannt) 
 
… die Flut des Todes, die mich im Jahr 2009 nach unten drückte, mir die Luft zum Atmen raubte, als meine Oma ganz plötzlich verstarb. Von heute auf morgen. Ich hatte mir jahrelang Vorwürfe gemacht, da ich sie am Abend, bevor sie für immer einschlafen durfte, doch noch besuchen wollte. Auf dem Nachhauseweg bin ich sogar noch an ihrer Wohnung vorbeigefahren. Doch nach dem Frühdienst in der Klinik, den Nachmittag noch mit Kollegen unterwegs und den Wecker für den kommenden Morgen schon im Ohr, bin ich einfach vorbeigefahren. Am nächsten Morgen verstarb sie in den Armen meines Opas.
 
Den Tod bekämpfen
 
Der Tod, der schon alleine durch die Arbeit im Krankenhaus bedingt, immer irgendwie in meinem Leben anwesend war, machte mir Angst. Er  erschien mir als böse, bedrohlich und unnatürlich. Gerade in der Medizin, wird alles dafür getan, den Tod zu bekämpfen, hinauszuzögern, abzuwenden. Stirbt ein Patient, hat die Medizin und somit das Personal versagt.
 
Hatte ich also versagt?! Mein Glaubenssatz, wenn ich nicht 100% gebe, bin ich eine Versagerin, feierte in diesem Moment wohl eine fette Party! 
 
Der Kummer breitete sich immer mehr und mehr in mir aus. Auf Gefühls- und auch auf Gedankenebene suchte er mich mehr und mehr heim. Ich wusste nicht damit umzugehen. Ich wollte die Gefühle und Gedanken doch einfach nur loswerden, wollte sie weder spüren noch wahrnehmen. Ich wollte ihnen entkommen, fliehen, flüchten. Sie hinter mir lassen. 
 
Die Angst Dickzuwerden
 
Mit allem um mich herum war ich unzufrieden und letzten Endes war da diese innere Unzufriedenheit. Ich fühlte mich nach und nach nicht mehr wohl in meiner Haut. Fett. Hässlich. Abstoßend. Und plötzlich war sie da, die Angst Dickzuwerden. Die Lebensformel aus meiner Kindheit ploppte wieder auf.
 
Von der Sportsucht in die Anorexie
 
Wie passend, dass ich zu diesem Zeitpunkt gerade den Triathlon für mich entdeckte.  Anfangs war es noch der Spass an der Bewegung und beim Training den Kopf freizubekommen. Doch ganz schleichend entwickelte sich aus dem Spaß eine eine Art Kompensations-Mechanismus für all die Gefühle, Gedanken, Probleme. Davon-schwimmen, davon-radeln und davon-laufen. So boten sich mir gleich drei verschiedene Möglichkeiten der Verdrängung. Was mich selbst immer verbissener, ehrgeiziger, kälter werden hat lassen. Das, was ich im Wettkampf erreichte, war gleich danach nicht mehr gut genug. Wieder einmal: “Höher – weiter – schneller”.  Und schlussendlich entwickelte sich aus diesem Spaß einer Sportsucht. Die Sportsucht fühlte sich auf Dauer allerdings alleine und so suchte sie sich eine Partnerin, die Anorexie. 
 
Denn all das Training hatte einen super Nebeneffekt. Ich verlor an Gewicht und so hatte ich zum allerersten Mal in meinem Leben das Gefühl, die Kontrolle über mich und mein Leben zu haben. Ich selbst konnte bestimmen, beeinflussen, dass die Waage am nächsten Tag weniger anzeigen könnte. Was für ein geiles Gefühl! Endlich war ich nicht mehr vom Außen abhängig. Ich konnte mir dadurch selbst, Anerkennung und Wertschätzung schenken. Denn in mir war, obwohl ich doch in den Augen der anderen, erfolgreich war, immer dieses Gefühl, trotzdem nicht genug zu sein. Die Lebensformeln aus meiner Kindheit “ploppten” erneut wie Popcorn durch die Lüfte.
 
Ich flüchtete mich in meine eigene Welt
 
Und so stellte ich für alle anderen und auch für mich selbst, weiterhin, die oben beschriebene Frau dar. Obwohl ich sie schon längst nicht mehr verkörperte, setzte ich eben eine Maske auf, “um so zu tun als ob”. Und es funktionierte, nach außen hin. Was jedoch dazu führte, dass ich mich so immer mehr in meine “kleine-heile-Steff-Welt flüchtete”. In eine Welt, wo ich mich vor meinen Träumen, Plänen und den Vorstellungen meines Lebens versteckten und vor all meinen Problemen, Gedanken und Gefühlen flüchten konnte. Da ich sie nicht mehr spüren, nicht mehr aushalten wollte und ich mich nicht traute, mein wirkliches ICH zu zeigen, zu leben. Aus der Angst heraus, verkehrt, zu sein. 
 
Ich futterte den Kummer in all seinen Facetten, von aussen nach innen weiter in mich hinein. Bis die Fassade langsam kleine Risse bekam und sie schließlich immer mehr und mehr zu bröckeln begann.
 
Von innen nach aussen:
So oft überfielen mich Ängste, Panik, Selbstzweifel, Selbsthass, Misstrauen, fehlende Selbstliebe-Akzeptanz mir und meinem Körper gegenüber. In solchen Momenten wünschte ich mir einfach nur, dass dieses große schwarze Loch mich einfach nur schlucken und verschwinden lassen würde. Weg von der Bildfläche. So dass ich mich mit nichts mehr auseinandersetzen musste. Einfach verdrängen. Und darin war ich in der Zwischenzeit eine wahrhaftige Meisterin. Raus aus meinem Körper! Raus aus meiner Haut! Ich war fest davon überzeugt, dass all die Gedanken, Glaubenssätze, die Lebensformeln und die Eindringlinge auf der “Facettenreichen-Kummer-Ebene” genauso heimlich wie sie sich angeschlichen hatten auch wieder von Dannen ziehen würden. Doch, ich stellte fest, dass sich die Bande immer wohler bei mir fühlte und ganz schön gefräßig war. Sie fingen an, an mir zu knabbern und ich schien ihnen zu schmecken. Stück für Stück “futterten” sie mich von innen nach außen auf. Bis am Ende fast nichts mehr von mir übrig blieb. Außer einer leeren leblosen, energielosen, herzlosen, gefühllosen, ausdruckslosen, magersüchtigen Hülle. 
 
Der Kummer hielt die Fäden meines Lebens fest in seinen Händen, steuerte, bewegte und dirigierte mich nach seinen Vorgaben hin, wie eine Marionette. 
 
So kann ich es dir beschreiben: Nie hätte ich es für möglich gehalten, mich aus den Fängen des Kummers zu befreien und selbst wieder die Fäden meines Lebens in meinen Händen zu halten.
Doch ich habe es geschafft! Und ich kann euch sagen, meine leere Hülle hat sich wieder gefüllt, mit Energie, mit Selbstliebe-Akzeptanz. Mit Gefühlen und Gedanken aller Art. Die leblose Hülle erwacht mehr und mehr zum Leben zurück.
 
Stärker. Selbstbewusster. Liebevoller. Achtsamer. Reflektierter. Natürlicher als je zuvor. Und es ist noch viel Platz zum Befüllen.
 
Auch das verloren gegangene Lächeln ist zurückgekehrt.  Ein ehrliches, von Herzen kommendes Strahlen, das von innen nach außen und von außen wieder nach innen wandert und meine Augen zum Leuchten bringt. 
 
Ich bin Schritt für Schritt dabei, immer mehr, der noch alten Fassade, einzureißen und auf diesem Fundament mein Haus im Grünen zu erbauen. 
 
Meine damalige Beziehung habe ich beendet.
 
Auch dem Triathlon habe ich schweren Herzens Lebewohl gesagt. Ja, es war ein wahrer Entzug der Sportsucht. Doch mit ein wenig Phantasie, habe ich diesen Weg ganz gut gemeistert.
 
Zeit für Veränderung
 
Meine Arbeitszeit habe ich auf 80% reduziert und habe alle Ämter in der Arbeit abgegeben. Weniger ist mehr. Seit einiger Zeit arbeite ich auch nicht mehr auf der Intensivstation. Und manchmal kommt es im Leben zu Momenten, die einen plötzlich aus dem Bauch heraus spüren lassen, dass es an der Zeit ist, etwas neues ins Leben und etwas altes aus dem Leben, gehen zu lassen. Und so habe ich, im Krankenhaus gekündigt und seit Oktober bin ich Teil eines wundervollen Teams in einem Boutique-Cafe. Unterrichte Yoga und möchte mich noch mehr dem Schreiben widmen. Eine eigene Website kreieren und tausende andere kreative Ideen warten nur darauf, realisiert zu werden. Ich möchte mich ausprobieren, die Welt mit all ihren Möglichkeiten und Facetten entdecken. Ja, vielleicht auch ein wenig das nachholen was ich in meiner Kindheit und Jugend verpasst habe. Und auch wieder ein wenig mehr Zeit für mich, für meine Freunde und die Familie haben. 
 
Mehr Ich-Zeit
 
Ich möchte mein Leben so gestalten, wie ICH es möchte, nach meinem Vorstellungen, nach meinen Bedürfnissen. Mich mit all meinen Stärken und Schwächen, mit all der bunten Palette an Gefühlen und Gedanken anzunehmen, meinen Körper so wie er ist, als mein Zuhause für Körper, Seele und Geist wertschätzen.
 
Ja, ehrlich gesagt bin ich der Kummerbande sogar dankbar, dass sie sich wie selbstverständlich aus allen erdenklichen Richtungen in mein inneres Ich geschlichen und sich in mir festgebissen haben. Diese “unliebsamen aufdringlichen unangenehmen Feinde” hatten durchaus “ihre Berechtigung”, in mein Leben zu treten. Und ich möchte sie auch nicht ausradieren, sie gehören einfach zu meinem Leben dazu. All das “Negative” was ich mit ihnen verbinde, ermöglicht mir erst, all das “Positive” richtig wahrzunehmen. Aus dem schwarzen Kummerloch raus, meinem Leben noch mal eine ganz neue Wendung zu geben. Die Erfahrungen die daraus für mich entstanden sind, die Vielzahl an Möglichkeiten, die ich lernen durfte, um die Fäden meines Lebens selbst wieder in meine Hände zu nehmen. All das wäre nicht durch eine stationäre und ambulant betreute Therapie der Anorexie, durch die Hingabe und Liebe zu Yoga, durch all die Menschen, die mir auf meinem Lebensweg bislang begegnet sind und durch die Arbeit mit mir selbst, durch das Übernehmen von Eigenverantwortung, entstanden. 
 
Dankbarkeit & Liebe
 
Das Gefühl als Enkelin und auch als Krankenschwester immer und immer wieder  versagt zu haben, schleppte ich jahrelang mit mir herum. Bis zu dem Tag, im August 2016, als mein Opa friedlich zu Hause in seinem Bett einschlafen durfte. In den Wochen zuvor hatte ich mich, wohl mit dem inneren Wissen, der Intuition, dass wir beide nicht mehr so viel an gemeinsamer Zeit zusammen haben werden, intensiv mit dem Thema Sterben und Tod auseinandergesetzt. Das ist mir alles andere als leicht gefallen. Den Tod als etwas ganz normales zu betrachten. Gehört er doch zu unserer aller Leben dazu. Anfang, Mitte, Ende. Kein Gefühl von Versagen mehr, sondern ein Gefühl von Dankbarkeit und Liebe … welch wundervolle Momente ich mit meinem Opa erleben durfte, was ich durch ihn alles habe lernen dürfen. 
 
Und wie verdammt wichtig es war, nach seinem Tod all meinen Gefühlen der Trauer, Ausdruck zu verleihen. Was ich damals bei meiner Oma unterdrückt hatte, konnte ich nun doppelt an die Oberfläche lassen. Ich habe geweint und geweint und geweint. Tagelang habe ich mich in dieser Traurigkeit gesuhlt, bin nicht in die Arbeit gegangen. Nicht jeder hatte dafür Verständnis. Doch das ist genau der Punkt. Jeder verarbeitet Trauer, Kummer anders. Auf seine Art und Weise.
 
Also lass dir nie und niemals erzählen, wie du dich zu verhalten hast. Was richtig oder falsch ist, angebracht, unangebracht! Du selbst entscheidest was dir gut tut. Was dir dient.
 
All dieses Wissen, diese Erfahrungen auch wenn sie noch so schmerzhaft waren, haben mir ein dreiviertel Jahr später wahre Dienste erwiesen, als ich meinem Opa mütterlicherseits, im Krankenhaus ein letztes Mal über die Wange streicheln durfte. 
 
So führt eins zum anderen und ich darf Teil dieses wundervollen Buches sein. Teil dieses Herzensprojektes. Was für ein Geschenk!!! Welches wir mit euch teilen dürfen! 
 
Auch wenn mein Weg weiterhin herausfordernd ist. Es Mut, Vertrauen, Kraft, Wille, Durchhaltevermögen bedarf. Der facettenreiche Kummer wird mir wohl immer wieder einmal begegnen oder an meiner Türe klopfen. Doch mit diversen Hilfsmitteln ausgestattet, bin ich jetzt in der Lage, ihm immer und immer wieder seine Größe und Macht zu nehmen. 
 
Mein Tipp für dich
 
Ich mache dir den Vorschlag, falls auch du aggressive Neigungen bei deiner Art von Kummer verspüren solltest, den Druck an Knautschbällen, die es in unterschiedlicher Stärke und Größe gibt, aus- bzw. abzulassen. 
Besorge dir für zu Hause einen Boxsack und Boxhandschuhe. Oder nehme dir ein Kissen zur Hand und lasse daran deine Wut aus. Drehe die Musik laut auf, tanze, hüpfe und schreie alles aus dir heraus. Das mit dem Schreien funktioniert nicht nur zu Hause, sondern auch im Auto. So kommt niemand zu Schaden, weder du, noch dein Umfeld. 
 
Und der einfachste Tipp: Atmen. Atme tief ein, tief wieder aus und zähle bis 10. Bis dahin ist der erste Dampf schon verraucht. So simpel und doch so effektiv. 
 
Was mir selbst in meinen Phasen der Angst, des Kummers, der Essstörung geholfen hat und mir auch heute noch in einigen Situationen die Situationen wirklich rettet, findest du im Kapitel Soforthilfe in unserem Buch. Einiges davon durfte ich während meiner stationären Therapiezeit in Bad Staffelstein kennenlernen. Und so mancher Tipp ist aus meiner eigenen Phantasie heraus entstanden. 
 
Hilfe annehmen ist keine Schwäche
 
Obwohl mir durchaus bewusst war, dass ich mich selbst nicht mehr aus diesem tiefen Loch der Essstörung befreien konnte, habe ich mich gegen eine stationäre Therapie und die Gewichtszunahme massiv gesträubt. Entweder schaffe ich es alleine, oder eben gar nicht. Hilfe annehmen, um Unterstützung zu bitten, gab es in meiner Welt nicht. Ich kam mir wie eine Versagerin vor. Was alles nur noch schlimmer machte. Doch irgendetwas in mir, ein klitzekleiner Funke oder vielleicht auch die Verzweiflung meiner Eltern, veranlasste mich dazu, die Therapie zu beginnen.
 
Auch wenn ich mich zu Beginn mit allem dagegen sträubte und diese Abwehrhaltung dafür sorgte,  dass meine Gewichtskurve nicht anstieg. Eineinhalb Wochen später, ich hatte einen Gesprächstermin bei der behandelten Chefärztin, fiel in etwa folgender Satz. “Frau Eckrich, wenn Sie nicht bald in die Puschen kommen und ihre Gewichtskurve weiterhin so vor sich hindümpelt, können Sie ihre Koffer wieder packen und gehen”. Rums! Das saß! Und zwar ordentlich! Als ich nach dem Gespräch hinter mir die Türe schloß, weinte ich bitterlichst. Vor Wut. Vor Ärger. Vor Verzweiflung. Aus Angst. Aus Scham. Auf sie, auf mich. Ich konnte gar nicht mehr klar sehen, alles war total verschwommen. Aber ich konnte etwas spüren. Diesen klitzekleinen Funken in mir, der plötzlich, wenn auch noch sehr spärlich Feuer fing.  Und die kleine Rebellin in mir meldete sich zu Wort. “Steffie, du schaffst das”! Und das war der wirkliche Beginn, meiner “Essstörungsbewältigung” und der Beginn in mein neues Leben. 
 
Auch wenn Ehrlichkeit oft sehr verletzend sein kann, für mich war sie zu dem damaligen Zeitpunkt die Initialzündung, die ich einfach gebraucht habe. Ich versuche seitdem nicht nur zu mir selbst ehrlich zu sein, mir weniger in die eigene Tasche zu lügen, sondern auch meinen Mitmenschen gegenüber. Was mir nicht immer Freunde macht – doch dieser Lernprozess ist für mich sehr wichtig.  
 
Seit auch mein Gewicht wieder nach oben klettert, ich mich und meinen Körper mit regelmäßigen, ausreichenden, frischen und gesunden Mahlzeiten versorge, lassen auch die Aggressionen nach. Die verbotenen Lebensmittel haben wieder ihren Platz im Kühl- und Vorratsschrank gefunden.
 
Portrait Stefanie EckrichIch verbiete mir nichts mehr! Sondern, gönne mir in Maßen all das, was mir schmeckt, auf was ich Lust habe, nach was mein Körper verlangt.
 
Was soll mir schon passieren, wenn ich z.B … esse?! Ich werde weder platzen, noch werde ich morgen fünf Kilo mehr wiegen und fett sein. Noch bin ich deswegen gefrässig oder maßlos. Je öfter ich etwas tue, was mir Angst macht und davon gibt es noch eine ganze Menge, egal was es auch sein mag, desto kleiner und kleiner, desto schwächer und schwächer und desto weniger Macht wird die Angst über mich besitzen, denn ihr Nährboden schwindet. Ich drehe den Spieß nämlich um und plötzlich steht die Angst und/oder der Kummer mit dem Rücken zur Wand und wünscht sich in diesem Augenblick wohl nichts sehentlicher als von der Bildfläche zu verschwinden oder im eigenen Loch zu versinken.
 
Radikale Akzeptanz
 
In jedem von uns stecken so viele unendliche Schätze, Fähigkeiten, Talente, die es zu entdecken gibt. Jede Begegnung, jedes Wort, jede Erfahrung, jedes Erlebnis, egal ob voller Freude oder Kummer, alles hat seine Berechtigung. Alles darf so sein, wie es in diesem Moment eben ist. Radikale Akzeptanz könnte ich dazu auch sagen. Auch wenn mir viele Situationen oft völlig sinnlos erscheinen und ich mich frage, wozu das Ganze nun jetzt schon wieder gut sein soll, halte ich inne. ”Zu den Sternen und zurück, vertraue ich dem Leben und dem Universum”. Und lasse die Energie fliessen. So erhalte ich, wenn ich am wenigsten damit rechne, meist eine Antwort.
 

Vielleicht konnte ich dich mit meiner Geschichte ein wenig berühren und auch diesen klitzekleinen Funken in dir, zum Glimmen erwecken, du mutiges Herz.

Die Geschichte von Doris kannst du hier nachlesen
 
 
Alle Mutmachgeschichten  in unserem Buch im Überblick:
* Steffie: Kummer. Ein Wort und doch so facettenreich, wie du selbst
* Doris: Nie wieder fühlen
*
Jacky: Ihr Kumpel Gott und ihre verrückte Katze
*
Kerstin: Trennung und Diagnose Brustkrebs
*
Andrea: Kinderwunsch und Hochzeit sind tabu
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Ruth: Mit 71 Jahren noch eine Ausbildung beginnen
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Sabine: Geschieden, alleinerziehend und eigenes Business
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Anonym: Bulimie
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Steffi: Trauer, Tränen und Existenzängste
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Ulrike: Ganz tief in mir drinnen ist eine große Kraft
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Daniela: Urliebe
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Steffie: Körper, Geist und Seele in Einklang bringen
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Die Essenz aus den Geschichten: Liebe
 
 
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WOCHE 3 – aus dem Kapitel: Mental stärker werden

Nimm dir Zeit für dich und deine Gedanken

“Ein Arzt verbindet deine Wunden. Dein innerer Arzt aber wird dich gesunden. Bitte ihn darum, so oft du kannst.” Paracelcus

Du wirst, was du denkst

„Entsorge den Müll aus deinem Kopf“, sagte Nick Nolte in dem Film „Peaceful Warrior“ zu seinen Schützling, der völlig am Boden zerstört war, weil er durch eine Verletzung nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen konnte. Sein Lebenstraum war erst einmal geplatzt. Aber er wollte nicht aufgeben und suchte sich einen besonderen Coach, der ihn lehrte, die Kraft des Augenblicks zu nutzen. Ein toller Film über die Macht der Gedanken und die Magie des gegenwärtigen Moments. Er fragt ihn im Film immer wieder: “Wo bist du jetzt” und sein Schützling sagt: “Ich bin hier.”

Bist du auch hier? Wirklich hier? Im Hier und Jetzt? Bist du dir bewusst, was in deinem Kopf abläuft? Kannst du es steuern?

Denn letztendlich sind es die Gedanken, die dich jeden Tag vereinnahmen, runterziehen und wahnsinnig machen können. Gedanken, die du sowieso schon kennst. Die meisten davon haben schon einen so langen Bart wie der berühmte “Ötzi” selbst.

Frage dich immer wieder: Will ich diesen Gedanken tatsächlich denken?

Will ich meine kostbare Lebenszeit wirklich dafür hergeben und dadurch vielleicht sogar meinen Heilungsprozess blockieren?

Was könnte ich jetzt denken, damit mein Kummer besser heilen kann?

Oder andersherum gefragt: Was könntest du denken, damit es dir weiterhin so richtig mies geht? Damit du sichergehen kannst, dass der fiese Schmerz da bleibt?

Nein, wir wollen dich nicht ärgern. Wir sagen auch nicht, dass mentales Training leicht ist oder wenig Zeit in Anspruch nimmt. Es ist keine schnelle Wunderpille. Aber eine sehr nachhaltige, wenn du wirklich dran bleibst.

Wir wollen dich wachrütteln und sensibilisieren, damit du von Tag zu Tag aufmerksamer wirst: Um zu erkennen, was da oben in deiner “Denkmaschine”  abläuft. Deine Gedanken haben einen entscheidenden Einfluss auf deine Emotionen, auf deine Körperhaltung oder deinen Atem.

Sei der Chef deiner Gedanken

Wir möchten dich daran erinnern, dass du jeden Moment neu entscheiden kannst, was du denken willst und, dass du selbst die Pilotin in deinem Kopf sein kannst.

Unser Kopf ist wie riesiger Flughafen, an dem tagtäglich über 60.000 bis 80.000 “Gedankenflieger” landen und wieder abheben. Sie kommen und gehen. Und du bist die Chefin an diesem Flughafen. Es ist dein Flughafen. Du darfst entscheiden, welche Gedankenflieger landen dürfen und wie lange du ihnen Aufenthalt gewährst.

Frage dich bitte jetzt:

Welche Gedankenflieger dürfen das sein?
Welche nicht?
Was darf der Flieger transportieren?
Was soll der gelandete Flieger am besten gleich wieder mitnehmen?
Was sagt die Pilotin in dir dazu?
Lass uns gleich noch ein Experiment machen: Schließe deine Augen, stell dir folgende Frage und atme dabei besonders sanft ein und aus:
“Welcher Gedanke formt sich als nächstes in meinen Kopf?”
Und? Welcher Gedanke ist es?
Hast du diese kurze Pause in deinem Kopf bemerkt? Sehr gut! Das war das Ziel.

Sei der Cehf deiner Gedaken

Nutze deinen Einfluss

Und du hast erfahren, dass es da noch einen Teil in dir gibt, der über deinen Gedanken steht: dein Bewusstsein.

Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass sie einen Einfluss auf ihre Gedanken haben und somit mehr und mehr Macht über ihre Emotionen bekommen können. Du bist nun einen Schritt weiter.

Im Grunde ist dein Gehirn wie ein Computer, der alles abgespeichert hat, was du gelernt, erlebt und erfahren hast – sogar bis vor deiner Geburt. Dein Bewusstsein kann einen entscheidenden Einfluss auf diese Prozesse haben.

“Sei nicht der Spielball deiner Gedanken, sondern spiel mit deinen Gedanken.” Chris Seiler

Lass uns noch ein Experiment machen: Sobald ein Gedanke kommt, der dich runterzieht, sage zu ihm laut oder im Stillen: “Ich glaube dir nicht” – und lächle.

Probiere es aus und beobachte was passiert …

Könnte es sein, dass uns unsere Gedanken tatsächlich manchmal einen Streich spielen? Kennst du das, wenn kurz vor dem Einschlafen der Kopf plötzlich so zusammenhangloses Zeug ausspuckt? Genau an dem Punkt merkst du, dass du das nicht immer so ernst nehmen darfst, was die “Denkmaschine” von sich gibt. Es ist eben doch nur ein Computer.

Stell dir noch eine Frage zum Experimentieren. Sobald der nächste Gedanke sich formt, frage ihn: “Woher kommst du?”

Weißt du, die meisten Gedanken kommen gar nicht von dir. Wie jetzt? Nein. Sie kommen von den Menschen, die in deinem Leben einen entscheidenden Einfluss auf dich hatten und dich geprägt haben, z.B. deine Eltern, Verwandte, Lehrer, Freunde. Vielleicht haben deine Eltern dir viele Dinge mitgegeben, die heute noch wertvoll für dich sind. Die dir gut tun und die dich weiterbringen. Aber vielleicht ist da auch was zum Aussortieren, Updaten, zum Recyceln dabei.

Erinnerst du dich noch an den “Gedanken-Flughafen”? An die ca. 80.000 Gedanken die täglich in deinem Kopf landen? Das macht in der Woche 560.000, im Monat 2.240.000 und im Jahr 26.880.000 Gedanken, die da durchgeschleust werden. Und dann stell dir vor du würdest ein Jahr lang einem Kind in einer Dauerschleife einreden, was es alles nicht kann. Was würde das mit dem Kind machen?

Also: Sei gut zu dir. Wie zu einem unschuldigen kleinen Kind, das das Beste verdient hat.

Stell dir vor, was dir guttut

In dem Moment, wo du beginnst, dir gedanklich (und folglich auch in deinem Handeln) die Dinge rauszupicken, die dir wirklich gut tun, veränderst du etwas ganz Entscheidendes. Dich. Und wenn du dich veränderst, veränderst du Stück für Stück deine Gewohnheiten in deinem Lebensalltag, die letztendlich dein Leben bestimmen. Richtig?

Schon krass oder? Wir ändern unser Denken und letztendlich unser Leben.

Im Grunde kann man sich die Welt auch vorstellen wie einen Spiegel. Wie im Song “Mantra”  der Fantastischen Vier – hier ein kleiner Auszug aus dem Liedtext:

“Sobald ein Gedanke sich
aus dem Einklang löst und zu Worten formt,
erschaffen wir all diese Welten und Wege
und geben dem Leben Bedeutung und Form.
Die Vorstellung bleibt unerschöpflich
und aus ihr wird letztlich von jedem ein Bild definiert.
Doch wir finden in ihr auch den Inhalt,
den Ursprung und Anfang von allem das existiert.
Diese Welt ist nicht mehr als ein Spiegel
vom Verstand verpackt und versiegelt …”

Ja, der Text ist sehr kryptisch. Es hat ein wenig gedauert, bis uns so richtig klar wurde, was damit gemeint ist. Vielleicht ist es dir schon sonnenklar. Oder auch nicht. Das ist auch nicht wichtig. Wichtig ist, dass du immer wieder versuchst, die Pilotin zu bleiben. Du hast auch die Möglichkeit, dich durch Notizzettel oder Kalendereinträge daran erinnern zu lassen.

Immer wieder machen!

Wir wissen nicht, wo du gerade stehst und inwieweit du dich schon mit mentalem Training beschäftigt hast. Deshalb haben wir alle Übungen im Buch einfach und pragmatisch gehalten. Und häufig sind es die einfachen Dinge, die sehr effektiv sein können, wenn du sie regelmäßig anwendest. So wie Zähneputzen. Machen. Tun. Jeden Tag. Am besten gleich nach dem Aufwachen und direkt vor dem Schlafen gehen. Das  hat den besten Einfluss auf deine Gehirnfrequenz.

Neuronale Plastizität

Wusstest du, dass dein Gehirn ein Leben lang formbar ist? Falls dich das näher interessiert, recherchiere im Internet nach “Neuronale Plastizität”. Falls dir Recherche Spaß macht, dann nimm gleich den Begriff “Epigenetik” dazu. Denn auch deine Gene sind veränderbar. Denn die Form folgt der Funktion. Im Grunde total logisch. Das ist wie mit Muskeln. Wenn du deine Muskeln trainierst, wachsen sie. Wenn du damit aufhörst, wird die Muskelmasse weniger. Zwei sehr weise Sätze aus dem Englischen sagen genau das aus:

 

“Form follows function”  – “Use it, or loose it.”

 

So, und jetzt geht’s los mit deinem mentalen Training!

Die Atmung unterstützt dich im Vorfeld, einen besseren Zugang zu dir selbst zu erhalten. Dich zu entspannen und den Gedankenfliegern in deinem Kopf, die Geschwindigkeit und Energie zu nehmen.

Das sind alle mentalen Übungen im Kraftmachbuch im Überblick:

  • Mentaler Reset
  • Gedanken in Lichtexplosionen verwandeln
  • Kummerfreier Kraftort
  • Kummer-Mantel ablegen     
  • Die-Welt-ist-so-ungerecht-Brille austauschen
  • Ab mit dem Kummer in den Papierkorb
  • Vergangenheit hinter dir lassen
  • Was würde der mutigste und liebevollste Teil deiner Persönlichkeit jetzt tun?
  • Die Kraft der Dankbarkeit
  • Gefühle wollen gefühlt werden
  • Kummer malen und in den Arm nehmen
  • Was wäre das Schlimmste, das passieren könnte?
  • Dein Zuhause aufräumen
  • Zeitreise

Online-Coaching „Mut und Kraft“ mit vielen mentale Übungen. Mehr Infos

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Über die Autorinnen

Steffie und Doris vom Kraftmacherbuch

Steffie Eckrich ist ausgebildete Krankenschwester, Yogalehrerin für Prana Flow, ganzheitlicher Ayurveda-Coach und ehemalige Triathletin.
Sie unterstützt Menschen auf ihrem Weg im Einklang mit den Elementen der Natur, verknüpft mit ihren bisherigen LebensErfahrungen, für ein kreativ-inspiriertes, gesundes und natürliches Leben.
Zur Website von Steffie Eckrich

Doris Kessel ist studierte Pädagogin, Mental Coach, Energyworker, Yogalehrerin, Bodyworkerin, Ernährungsberaterin „Peace Food“ und ehemalige Triathlon-Trainerin. Sie liebt es, die verschiedensten Heilungsmethoden kreativ miteinander zu kombinieren und Menschen dadurch ein buntes Buffet an Möglichkeiten zu geben.
Zur Website von Doris Kessel

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Ein Praxisbuch von Frauen für Frauen.Das Kraftmacherbuch

Auf 173 Seiten möchten dir Doris und Steffie zahlreichen Übungen mit auf den Weg geben, die dir ganz viel Kraft schenken sollen.

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