Svenja Mann – Projekt Norseman

Svenja Mann beim Radtraining

Svenja Mann ist Managerin, Mutter und erfolgreiche Triathletin. Ihr Ziel für 2021 heißt Gaustatoppen. Die 42-Jährig möchte den Norsemen finishen.

Wir werden die Karlsruherin auf ihrem Weg zum Xtreme-Triathlon in Norwegen begleiten und immer wieder spannende Themen mit und von Svenja vorstellen.
Im Teil eins der Online-Serie geht es darum, wer Svenja überhaupt ist. Weiter Infos über sie gibt es übrigens auch in der Dezember-Ausgabe, der nächsten tritime, die am 20. Dezember erscheint.

Eigentlich hätte Svenjas Projekt Norseman bereits 2020 stattfinden sollen. Sie ergatterte einen von vier ausgelobten Plätzen des Hauptsponsors des Norseman Xtreme Triathlon, nachdem sie bei einem Bewerbungsverfahren überzeugte. Covid-19 machte ihre Pläne zu Nichte und ihre sportlichen Ziele mussten – in der Hoffnung, dass es in 2021 wieder mehr Normalität gibt – verschoben werden.

Glücklich, Sport machen zu können

Dass Trainieren zu können keine Selbstverständlichkeit ist, musste Svenja 2019 schmerzlich am eigenen Leib erfahren. Nach einem Langstreckenflug brach sie beim Joggen zusammen. Die Diagnose: beidseitige Lungenembolie. Was das bedeutet und wie es damals um sie stand, werdet ihr in der Serie über sie auf jeden Fall auch erfahren.

Mit ihrem Norseman-Projekt möchte sie daher unter anderem mehr Sensibilität für die eigene Gesundheit schaffen und sammelt zudem für eine Fundraising-Kampagne der norwegischen Organisation „Aktiv mot kreft“, bei der es um Bewegung in der Krebstherapie geht, Geld.

Aufmacherfoto: Rake Hora

Interview mit Svenja Mann

Was bist du für ein Mensch?
Ich bin eher ruhig, zurückhaltend und etwas distanziert. Ich mag es, gut strukturiert und organisiert zu sein, dabei bin ich eher selbstkritisch. Ich bin ein Minimalist und grundsätzlich ein zufriedener Mensch.

Was sagen andere über dich?
Ich glaube, durch meine etwas distanzierte Art, wirke ich auf Menschen oft arrogant, was ich aber gar nicht bin. Durch den „harten“ Sport und das Training, das ich mache, denken viele: Die Svenja schafft alles. Das übt recht viel Druck auf mich aus und ich traue mich fast nicht, auch mal schwach zu sein.

Was sind deine Stärken? Was deine Schwächen?
Meine Stärken ist, dass ich nicht verbissen Sport mache. Wenn ich trainiere, gehört diese Zeit nur mir, das ist jedes Mal etwas Besonderes für mich.

Meine Schwäche ist vielleicht, dass ich nicht der absolute Wettkampftyp bin. Rennen und Zeiten sind mit nicht so wichtig, manchmal sage ich Wettkämpfe kurz vor dem Termin ab, weil mir Platzierungen nicht so wichtig sind und ich einen Wettkampf als „Stress“ empfinde, wenn der Organisations- und Zeitaufwand für die Familie und mich zu gross wird.

„Sport ist ein unverzichtbarer Teil meines Lebens, meine Energiequelle, daher finde ich automatisch Zeit dafür.

Was ist dein Beruf? Welche Fähigkeiten brauchst du in deinem Job?
Ich bin Abteilungsleiterin, Teil der Geschäftsführung und leite rund zehn Mitarbeitende. Was ich dafür brauche: Struktur, Organisation, Empathie im Umgang mit Menschen, Ausdauer, und die Fähigkeit, schnell Entscheidungen zu treffen und dafür die Verantwortung zu tragen.

Welche sportlichen Herausforderungen hast du schon gemeistert?
Ich war schon immer sportlich. Als Kind und Jugendliche habe ich Tischtennis leistungsorientiert gespielt. Während meines Studiums kam ich zum Laufen … es folgten Marathon-, Ultralauf- und Triathlonwettkämpfe.

Lauftraining mit der Familie ist für Svenja normal

Was waren deine größten Erfolge bislang?
Ich bin mehrere Marathons unter 3-Stunden gelaufen. Ich war zweimal Gesamtsiegerin beim Freiburg Marathon und einmal Gesamtsiegerin Schwarzwald Marathon. Ich war AK-Europameisterin beim Ironman Frankfurt und zweimal für Kona qualifiziert.

Gesundheit hat in deinem Leben einen extrem hohen Stellenwert, warum?
Nach meiner beidseitigen Lugenembolie lebe ich viel bewusster und bin nachdenklicher als vorher. Vermutlich bin ich auch ängstlicher, da ich selbst erleben musste, wie nah der Tod sein kann und dass dieser zum Leben dazugehört. Ich achte noch mehr auf die Signale meines Körpers und hoffe, durch mein Norseman-Projekt mehr Aufmerksamkeit für die eigene Gesundheit zu schaffen. Ich möchte andere Menschen dazu animieren, sich selbst mehr zu bewegen.

Hat man den Grund für deine Lungenembolie gefunden?
Nein, der Grund wurde nicht gefunden. Es kann wirklich jeden treffen, auch trainierte Sportler mit guten Werten. Ich war danach psychisch ziemlich angeschlagen, weil diese beidseitige Lungenembolie für mich aus heiterem Himmel kam. Ich bekam danach psychosomatisch Belastungsasthma, weil ich so verkrampft war. Um meinen Kopf wieder in den Griff zu bekommen, habe ich viele medizinische Untersuchungen gemacht – zum Beispiel ein Ultraschall vom Herz und einen Lungenfunktionstest. Diese Tests mache ich jetzt vorsorglich einmal jährlich. Das gibt mir Sicherheit und mittlerweile bin ich auch wieder fast so leistungsfähig wie davor. Lediglich, wenn ich weiß, dass ich lange am Stück sitze, nehme ich Blutverdünner ein. Mit meiner Yoga-Trainerin arbeite ich zudem verstärkt an meiner Atemtechnik, das gibt mir Sicherheit.

„Mit unserem Auto gehen wir regelmäßig zum Kundendienst, warum machen wir das nicht auch mit unserem Körper? Es gibt heutzutage so viele einfache Check-ups, mit denen Erkrankungen frühzeitig erkannt und vielleicht auch vermieden werden können.“

Wie sieht ein typischer Tag bei dir aus?
Ich steh um 6.30 Uhr auf. Mach eine bis eineinhalb Stunde Sport. Um 9 Uhr beginne ich mit der Arbeit. Gegen 14 Uhr beende ich meine erste Arbeitsschicht und fahr auf dem Heimweg im Schwimmbad vorbei. Danach bin ich ab 16 Uhr für meine Kids da und abends setze ich mich noch mal zwei bis drei Stunden an den Rechner. Ich bin Abteilungsleiterin und damit viel am Telefon. Meistens habe ich einmal die Woche, so viele Termine, dass ich keinen Sport machen kann. Auch bei mir ist nicht jeder Tag super. Sport ist immer meine Ich-Zeit, auf die ich mich immer freue. Ich brauch diesen Tagesrhythmus, diese Struktur. Nach 19 Uhr kann ich keinen Sport mehr machen, aber am Rechner sitzen, ist kein Problem.