Sabine goes Pro

Triathletin Sabine Lischka startet dieses Jahr zum ersten Mal als Profi-Triathletin. Wir möchten Sie daher begleiten und erfahren, wie es für die 29-Jährige als Rookie unter den Profis ist.

Über Sabine hatten wir in unserem letzten Hawaii-Special schon berichtet. Auf Instagram haben wir erfahren, dass die Sportlerin aus Bochum dieses Jahr die Profilizenz gelöst hat. Sie wird für das EJOT TEAM TV Buschhütten unterwegs sein.  

Wir haben uns spontan gedacht, dass wir ihre erste Profi-Saison gerne mit einem regelmäßigen Blog begleiten möchten. Sabine ist kein Voll-Profi – sie arbeitet weiterhin als Lehrerin. Das klingt auf jeden Fall spannend. Daher fangen wir heute einfach mal von vorne an.

Die Triathlon-Karriere von Sabine bis heute

Sabine macht seit 2012 Triathlon. Beim SV Blau Weiß Bochum ging alles los. Die letzten Jahre war sie unter der Flagge des TEAM TG Witten in verschiedenen Ligen – auch in der 1. Bundesliga – unterwegs. Von Jahr zu Jahr wurde sie schneller, dann wurden die Distanzen länger. 2016 finishte sie ihr erste Langdistanz als Amateurin. Die Ironman-Distanz hat es ihr seither angetan.

„Wenn es besser geht, ist gut nicht gut genug“

„Am Triathlon fesselt mich die Herausforderung, die drei sehr unterschiedlichen Sportarten perfekt zu beherrschen. Als Amateur bin ich in meiner Altersklasse weit vorne mit dabei. Mich treibt der Ehrgeiz an, immer schneller zu werden, um das Beste aus mir herauszuholen und in ganz Deutschland bekannter zu werden.
Das erste Ticket für Hawaii konnte ich 2017 mit meinem Europameistertitel auf der Langdistanz in Frankfurt lösen und das obwohl ich in diesem Jahr Examensprüfungen hatte und mein Mann und ich mit dem Hausbau beschäftigt waren. Auf Hawaii finishte ich bei meinem ersten Rennen souverän. Letztes Jahr habe ich mich in Kopenhagen mit einer Zeit von 9.34 h qualifizieren. Auf Big Island konnte ich mich im Vergleich zu 2017 mit einer Zeit von 10.59 Stunden nochmals leicht verbessern, obwohl ich ziemlich erkältet war – und 2020 erfülle ich mir jetzt meinen Traum, als Profi-Triathletin durchzustarten.  

In der letzten Saison 2019 hatte ich Höhen und auch viele Tiefen. Ich weiß allerdings, dass wenn mir ein Rennen gut läuft, ich bei den Profis mitmischen kann, daher habe ich mich entschieden, dieses Jahr den Elitepass zu beantragen. Dadurch werde ich in erster Linie auch flexibler in meiner Saisonplanung, denn man hat als Profi deutlich kürzere Anmeldefristen“, erklärt Sabine ihre Ambitionen.

Meine Ziele für die Saison 2020

In meinem ersten Jahr als Profi-Triathletin möchte ich die Herausforderung der Doppelbelastung von Beruf und Sport annehmen und mich weiter sportlich verbessern. Ich erhoffe mir einige Podiumsplatzierungen bzw. vordere Plätze bei regionalen und nationalen Wettkämpfen über die Kurz-, Mittel- und Langdistanz und freu mich auf erfolgreiche Rennen mit den Mädels vom EJOT Team TV Buschhütten in der Liga.

Nachgefragt:
Was für ein Mensch ist Sabine? Wir haben einige interessante Infos über sie erfahren.

Wo liegen Deine persönlichen Stärken?
Definitiv im Zeitmanagement und in der Organisation des Alltags. Außerdem bin ich bin extrem zielstrebig, auch wenn manche Rennen nicht so laufen wie geplant wird weiter das Ziel fokussiert.

Wo liegen Deine persönlichen Schwächen?
Ich bin leider extrem ungeduldig

Was macht Dich wütend?
Unpünktlichkeit, Unzuverlässigkeit, mangelnde Struktur

Was bringt Deine Augen zum Leuchten?
Schokolade

Was motiviert Dich?
Meine eigenen gesetzten Ziele und mein Wille, jeden Tag besser zu werden

Wo siehst Du Dich in zehn Jahren?
Ich sehe mich als Mutter von zwei Kindern. Weiterhin als Lehrerin, die etwas älter geworden und nach wie vor sportbegeistert ist  … und ihre Ziele verfolgt. Welche das dann sein werden, wird sich zeigen.

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Was waren meine Beweggründe für die Profilizenz?

Im letzten Jahr hatte ich eine Saison mit Höhen und Tiefen, um meine Beweggründe für die Triathlon-Profilizenz zu schildern, hole ich etwas weiter aus.

Ich wollte 2019 beim Ironman Frankfurt eine neue Bestzeit auf der Langdistanz aufstellen – mein Ziel war es,  unter 9.45 Stunden zu bleiben und die Qualifikation für Hawaii zu holen. Das war mein Plan, aber die Realität sollte anders aussehen.

Am Donnerstag vor dem großen Rennen putze ich unsere Triathlonbikes – das von meinem Mann und das von mir, um sie für das Rennen am Sonntag startklar zu machen. Alles war gepackt und im Auto verstaut, sodass es am Freitag direkt nach der Arbeit nach Frankfurt gehen konnte.

Nach der Packerei legte ich mich zum Entspannen auf die Couch. Nach und nach machte sich ein komisches Gefühl in meinem Magen breit und ich fing an, zur Toilette zu rennen. Es folgte eine Nacht mit Magenkrämpfen und Durchfall. Am nächsten Tag ging es mir immer noch nicht gut, dennoch fuhren wir nachmittags wie geplant nach Frankfurt. Wir checkten ein und registrierten uns. Dabei wurde mir allerdings mehr und mehr klar, dass das gerade alles suboptimal lief.

Raceday Ironman Frankfurt 2019
Ich stand wie geplant an der Startlinie. Mein Kopf war allerdings schon darauf vorbereitet, dass ich das Rennen nicht ins Ziel bringen würde. Bis Kilometer 90 auf dem Rad lief es dann erstaunlich gut. Ich lag in meiner Altersklasse in Führung. Ab Kilometer 100 musste ich allerdings jedes Dixi-Häuschen aufsuchen, sodass mir klar war, dass ich das Rennen nach dem Radfahren vorzeitig beenden würde. Ein Marathon wäre in diesem Zustand nicht möglich gewesen. Vorbei war mein Traum von der neuen Bestzeit.

Plan B: der Ironman in Kopenhagen
Mein Ziel für den Wettkampf in Dänemark war klar, ich wollte ein sehr gutes Rennen abliefern. Erste in meiner Altersklasse zu werden, war allerdings beim Blick auf die Starterliste so gut wie unmöglich.

Mit meiner Freundin uns Arbeitskollegin Melanie reiste ich schon eine Woche vor dem Rennen an. Wir wollten uns noch ein paar Tage Urlaub gönnen. Auch mein Mann und ein weiteres befreundetes Pärchen trafen ein paar Tag vor dem Rennen in Dänemark ein, um mich beim Rennen zu unterstützen. „Wow, so viel Support! Jetzt wollte ich natürlich um so mehr zeigen, was ich drauf hatte – entweder es würde funktionieren oder eben nicht“, dachte ich mir.

Sabine beim Ironman Kopenhagen auf der LaufstreckeAlles oder nichts war meine Devise
Da Schwimmen lief wie immer sehr gut, sodass ich als Erste in meiner AK raus kam. Auch das Radfahren lief es weiter super, allerdings überholte mich eine Mitstreiterin recht flott. Von den anderen war nichts zu sehen. Ich hatte Spaß und genoss das Rennen.

Auf der Laufstrecke wurde ich von meinem Support-Team ordentlich gepuscht. Und by the way, wer ein Rennen mit grandioser Stimmung sucht, der ist hier in Dänemark genau richtig. Die Atmosphäre in Kopenhagen war der Hammer.

Beim Laufen regnete es die ganze Zeit. Aber das war mir völlig egal. Ich lächelte den ganzen Marathon und lief meine schnellsten Marathon aller Zeiten. Ich wusste, dass ich auf Rang zwei in meiner Altersklasse lag und setzte alles auf eine Karte.  Bei Kilometer 28 war es so weit und ich konnte meine „Konkurrentin“ übeholen. Statt langsamer wurde ich immer schneller. Am Ende hielt die Uhr bei 3.29 Stunden und bei einer Gesamtzeit von 9.34 Stunden an. Ich siegte in meiner Altersklasse und wurde gesamt Neunte bei den Frauen.

Ich konnte tatsächlich Profi-Frauen hinter mir lassen.

Wie gestalte ich 2020?
Das Ironman-Anmeldesystem für AK-Athleten ist mittlerweile so, dass man sich ein Jahr im Voraus für fast alle Rennen anmelden muss, um überhaupt einen Startplatz zu bekommen. Aufgrund meines späten Rennens 2019 in Kopenhagen, war ich für 2020 mit der Anmeldung für einen Ironman spät dran. Fast alle Rennen, die für mich in Frage kamen, waren ausgebucht. Nach vielen Diskussionen mit meinem Trainer war für mich klar:

  1. Als Profi habe ich den Vorteil, dass ich mich relativ kurzfristig für Rennen anmelden kann. Das bedeutet auch, dass ich mich mehr auf meine Form und Gesundheit konzentrieren kann und nach diesen beiden Faktoren Rennen planen kann.
  2. Ich habe in Kopenhagen so ein grandioses Rennen abgeliefert, womit keiner – auch ich nicht – gerechnet hatte. Meine Zeit und Platzierung zeigen mir, dass ich vorne mitmischen kann.
  3. Andreas Niedrig sprach mich vor der Siegerehrung an, warum ich nicht Profi wäre. Ich sagte ihm, dass ich mich nicht dort sehe. Seine Antwort: „Du kannst gut schwimmen und kommst vorne mit raus, im Radfahren muss du mithalten können und im Laufen musst du noch schneller werden, aber im Mittelfeld landest du.“
  4. Was mich zudem sehr zuversichtlich stimmt ist, dass ich trotz suboptimaler Vorbereitung eine so gute Leistung 2019 abrufen konnte und mich in nur drei Jahren auf der Langdistanz von 10.32 Stunden auf 9.34 Stunden verbessern konnte. 

Warum also nicht 2020 als Profi starten?

In meinem ersten Jahr als Profi-Triathletin möchte ich die Herausforderung der Doppelbelastung mit Beruf und Sport annehmen und mich weiter sportlich verbessern  … und dann schauen wir einfach, was passiert.

In diesem Sinne
Eure Sabine

 

Steckbrief:
Name: Sabine Lischka (geb. Dettmar)
Beruf: Lehrerin (Master of Education – Lehrerin für Sport und Geschichte Sek II)
Geburtstag: 11.09.1990
Verein: EJOT TEAM TV Buschhütten
Trainer: Dr. Florian Hanakam
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